Sido meets Nietzsche

Veröffentlicht: 2. August 2010 in Gedanken

Im Gespräch mit meiner Nichte und vor allem im Beobachten der Konversation zwischen ihr und ihren Freunden, ist mir in den vergangenen Jahren ein Phänomen immer stärker ins Auge gefallen.

Die Artikel verschwinden!!! Eine Konversation sieht dann folgendermaßen aus:

„Ey, kommst mit Schwimmbad?“

„Nee, hab Training in Halle.“

„Ok, kommst dann Alex?“

„Ja, korrekt!“

Für alle betagteren Menschen unter uns: das war eine standesgemäße, dem 21. Jahrhundert entsprechende Verabredung, bei der der Treffpunkt bei einem Freund namens Alex vereinbart wurde.

Ich bin mir ja dessen bewusst, dass wir mitten in einer Rezession stecken, doch muss es ausgerechnet die Artikel erwischen? Ich könnte getrost auf Konjunktive verzichten, doch Artikel??? Wie sieht eine Unterhaltung unter Teenagern in 20 Jahren aus?

„Yo, hab auf als wir?“ – Könnte heißen: Habe Lust den Film auf Pro7 zu sehen, du auch?

Tendenziell ein Befürworter des Fortschritts, sehe ich der verbalen Entwicklung dieser Generation mit Skepsis entgegen. Haben die jungen Menschen überhaupt noch das Potential eine gepflegte Konversation zu betreiben? Ich stelle mir vor, wie es sich wohl anhört, wenn Sido auf La Rochefoucauld treffen würde. Wer wäre weniger im Stande den anderen zu verstehen? Gäbe es eine Meta-Ebene? Wie philosophieren Teenager? Ich kann mir nicht vorstellen, dass die jungen Menschen keine Emotionen haben, die ihr Weltbild NICHT alle 20 Minuten durcheinander wirbeln, wie es bei mir der Fall war. Müssen wir uns auf eine psychisch labile Generation gefasst machen, weil sie die pubertär-bedingten Ausfälle nicht mehr verbal verarbeiten können???

Ich bin ratlos und hoffe, dass mir da jemand weiter helfen kann…

ODA WATT DENKSU, ALTA???

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Kommentare
    • Janina sagt:

      Also Literatur- und Sprachwissenschaftlerin bin auch ich von diesem Phänomen alles andere als angetan. Auch hier im Norden nimmt die Vereinfachung der Sprache immer weiter zu. Allerdings scheint es ein gesamtdeutsches Problem zu sein. In Gesprächsaufzeichnungen aus dem gesamten Bundesgebiet hört man Dinge – ja, Dinge…Sätze sind es definitiv kaum mehr-, die völlig verkappt sind und leider meist auch sinnbefreit. Aber Gott sei Dank gibt noch einige Sprachvirtuosen, wie Dich, liebe Dani.

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