Welpen – Big Brother

Veröffentlicht: 3. August 2010 in Gedanken

„Juuuuuuuuuuule!“ rufe ich meinem Welpen entnervt hinterher. Keine Chance. Hier, in der Welpenschule hat Jule alles Mögliche im Kopf, aber sicher nicht Gehorsam und Pfötchen-Geben. Heute ist erstaunlich viel los. Im Garten der Hundeschule sind sage und schreibe 10 Babyhunde anwesend. Wer sich das ausschließlich süß vorstellt, ist noch nie von einem Ridgeback-Junghund umgerannt worden und hat ratlos zusehen müssen, wie das Hämatom auf seinem Oberschenkel wächst und wächst.

Ich schaue in die Runde und lasse meine Phantasie schweifen. Wenn ich die einzelnen Hunde betrachte, so besitzt jedes mehr oder minder kleine Geschöpf einen eigenen, fertigen Charakter. Wie sähen diese in Menschenform aus?!? Und schon startet in meinem Kopf mein ganz eigenes, schräges Welpen – Big Brother:

Fangen wir mit Duke an. Ein 6 Monate alter Antikdoggen-Rüde mit Pranken statt Pfoten, die die unglaubliche Größe von Klodeckeln aufweisen. Duke besitzt die Geduld eines Messdieners beim letzten Abendmahl. Er wäre als Mensch ein kanitger, stiernackiger Bauarbeiter, der durch seine wuchtige Gestalt respekteinflößend wirkt, aber  zum zuckersüßen Riesen auf Kuschelkurs mutiert, sobald seine Kinder am Wochenende auf seinem Bauch Rugby spielen.

Rocco ist ein 2-jähriger Kampf-Dackel, der ein erstaunlich lautes Organ besitzt und alles verbellt, was nicht bei 3 Chappi rülpsen kann. Als Mensch wäre er ein alternder Hooligan, der besser prügeln, als denken kann. Doch insgeheim streichelt er Nacht für Nacht sein Tattoo, das quer über seinem Herzen prangt und in dem in sauberer Schrift „I love Mama“ steht.

Ronja ist eine 10 Wochen alte Beagle-Hündin, die noch tapsig und verpeilt durch die Weltgeschichte stolpert. Im Container wäre sie, wenn sie auch noch das hektische Bellen beginnen würde, die Gülcan Kamps der BB-Welt.

Kira ist eine 6-monatige Mischung aus…hm, keine Ahnung. Sie ist groß. Sehr groß. Ein wenig unsicher, hektisch und zurückhaltend wäre sie die perfekte Besetzung für den Borderliner unter den Bewohnern, der Nacht für Nacht seine Rasierklinge sprechen lässt. Sie nimmt jede Zurückweisung persönlich und ist überzeugt davon, dass sie sowieso Schuld an allem und jedem ist.

Nirag ist ein wunderschöner knapp 2-jähriger Rhodesian Ridgeback. Er ist ein Berg von Hund mit 45 Kilo Lebendgewicht, wirkt furchteinflößend, wenn Unbekannte am Zaun vorbei gehen, ist  aber eine Seele von Hund, der nicht mal in der Lage wäre eine Maus anzuhusten, aus Angst die könnte sich eine Lungenentzündung zuziehen. Auch Jule zeigt keinerlei Respekt vor ihm und genießt es im Spiel auf ihm Trampolin zu springen. Er würde prima den Axel Schulz unter den Teilnehmern abgeben. Ein Koloss, aber unfähig auch nur einer Fliege etwas zuleide zu tun.

Julius ist ein wuseliger Malteser, der alles versucht anzurammeln. Ein perfekter Karim-der-Knutscher oder Julio-Iglesias-Verschnitt!

Nixe ist eine junge Yorkshire-Welpendame. Größe eines Daumennagels und den Mut eines Hypochonders. Sie wäre die perfekte Spaßbremse und eine grandiose Version der Frau, die bei den Simpsons in jeder erdenklichen Situation ein empörtes: „Denkt denn auch jemand an die Kinder?“ in die Kamera heult.

Sammy ist ein wunderschöner Australian Shepard und ein Wirbelwind. Er wäre ein exzellenter Rave-Junkie auf Extasy, der wie irre zu jedem melodischen Geräusch im Takt wippt und alle 3 Sekunden ein „WICKED“ in die Menge brüllt.

Meine Jule ist ein 16 Wochen alter, lustiger, immer gut gelaunter, Blödsinn-im-Kopf-habender, verschmuster Temperamentsbolzen, der im wirklichen Leben eine Mischung aus Uma Thurman in Kill-Bill und Mutter Theresa wäre. Sie besitzt die Fähigkeit dir ein schlechtes Gewissen zu machen, weil du es gewagt hast sie vor 10h morgens zu wecken oder sie nachts ins kühle Gras zu setzen, damit sie ihr Geschäft macht. Sie schaut dich dann empört an, als wollte sie sagen: „Was fällt dir ein meinen Zuckerpo hier auf die nasse Wiese zu setzen? Spinnst du?“ Sie wäre also die perfekte Diva!

Wie liefe dann so eine Staffel ab? Hm, das lasse ich mir mal durch den Kopf gehen. Ideen von euch sind natürlich herzlich willkommen. Bis dahin wage ich mich todesmutig in die Mitte des Kreises und rufe laut zu allen Welpen:

„Leckercheeeeeeeeeeeeeeeeeen!“

Stille.

…und sie wart nie wiedergesehen…

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Kommentare
  1. hallo daniela, wirklich toll gedollmetscht ; )) mache ich auch sehr gerne, aber lieber simoltan- ich bin ja kein schriftsteller, sondern eher ein mann der worte UND taten, ohne fleischwurst etc. – halt der marcel reich-ranicki der hundeszene.
    freu mich auf das nächste menschentreffen mit welpen ; ))
    karsten

  2. Robert Eben sagt:

    Ich hätte nur eine Anmerkung am Rande: Wer gibt den Hundebesitzern eigentlich die Eingebung, damit sie auf solche dämlichen Hundenamen kommen? Ein paar Beispiele aus meinem Umfeld:

    Pastor – Berner Sennhund (nicht katholisch!)
    Spike – Schäferhund-Mischling (nicht bösartig!)
    Gibo – Beagle (ist das ein Name oder etwas, was man mit Stäbchen isst?)
    Krümel – Jack-Russel (etwas größer ist er dann doch…)

    Was ich noch ganz witzig finde, ist Balthasar für einen Gorden-Setter-Mix, denn dieser Hund hat wirklich eine Persönlichkeit, die zu dem Namen passt, aber heilig ist er auch nicht…

    • Hahhahahaha,
      du hast so recht! Eine ehemalige Bekannte hat ihre Ridgeback-Hündin Fräulein Schröder genannt. Witzig. Andere wiederum lassen einen gewissen Größenwahn durchblicken: Napoleon heißt dann der kleine Drecksdackel von nebenan, Nero ist ein hysterischer Cocker drei Straßen weiter…

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