Last Exit Floskelhausen

Veröffentlicht: 4. August 2010 in Gedanken

Der interessierte, ohne Frage engagierte ältere Herr, Marke rheinische Frohnatur, sitzt mir frontal gegenüber. Nur mein Mineralwasser, sein Fotoapparat und die Floskelwand, die er zwischen uns aufgebaut hat, trennen uns.

Ich versuche mich angestrengt mit ihm zu unterhalten, bin aber doch immer wieder abgelenkt von der Floskel-Litanei, die er permanent auf mich ablässt, welche mir nicht nur langsam an meinen Nerven, sondern auch an meiner Aufmerksamkeit zerrt.

„So jung kommen wa ja nie wieda zusammen!“ sprach´s und prostet mir tatsächlich mit seinem Pott Kaffee zu. „Tja, dat eine willste, dat andere musste. Hahaha.“ Worauf er diesen Satz bezieht, verstehe ich auch nicht.

„Das Leben is ja auch kein Ponyhof, verstehse? Ich meine, et kütt wie et kütt, oder wie sagt der Italiener? Hahahhaha.“ In Gedanken sehe ich mich schon diesen Möchtegern-Mario Barth mit seinem Synthetik-Schal strangulieren. Konzentrier dich, Daniela. Der Mann ist sicher nur unsicher… Langsam beginne ich mir in kleinen Kreisen die Schläfen zu massieren.

„Wat haste? Müde? Kopf hoch, dat wird schon wieder! Rom wurde ja auch nicht an einem Tag erbaut. Hahaha!“ Ganz ruhig, Daniela. Es wäre sicher nicht gut für dein Image, wenn du diesem Troll die Mundpartie zutackerst.

„Ich war heute Morgen auch sooo müde, aber Wayne interessierts. Es ist ja nicht alles Gold was glänzt. Hahaha!“ Langsam schaue ich mich um, mir dessen sicher, dass irgendwo eine versteckte Kamera die Aortenexplosion von Daniela Matijevic erwartet und festhält.

„Aber nu ma Butter bei die Fische. Fragste dich oft: komm ich jezz in Fernsehen? Aber gut, ich will ma schnell machen: Wir haben doch keine Zeit! Hahaha!“ Mein Pulsschlag potenziert sich. „Es gibt ja auch keine dummen Fragen, es gibt nur dumme Antworten. Hahaha!“ Typ, denke ich mir, du wanderst auf sehr dünnem Eis. Doch diszipliniert wie ich eben bin lächle ich freundlich und mache gute Mine zum bösen Spiel.

„Hab noch ne Frage, sicher kein Problem für dich, denn wer nichts zu verbergen hat, hat auch nichts zu befürchten. Hahaha!“

CUT

Polizeiwache Osnabrück-Süd.

„Frau Matijevic, was fiel ihnen ein dem Journalisten seine Krawatte in die Zahnfüllung zu stopfen? Ich meine, wir sind hier ja nicht bei wünsch dir was!“

AAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAHHHHH!!!!!

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Kommentare
  1. Erich sagt:

    Du darfst das 😀
    ist „nur“ ein Reporter 😛 da gibts manchmal schwund
    gibts da nicht so ne lizenz?
    „ich habe nach Darwin´s gesetz gehadelt“ Survival of Daniela

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