Rap als LebensCOOLtur

Veröffentlicht: 4. August 2010 in Cosmopolitische Überlegungen

Als Liebhaber von deutschem Hip-Hop geht es mir auf den Senkel, dass das ewig gestrige Gerücht Rapper wären nur ständig auf Dope und würden eh nur  Ghetto und Gewalt propagieren, will ich heute den Beweis antreten und euch anhand von Textpassagen zeigen, wie tiefgründig die Lyriks eben jener Wortakrobaten sind, die so stupide vorverurteilt werden.

Im Fokus stehen daher heute für mich zwei ganz besondere Künstler, die ich sehr verehre. Deren Musik mich oft begleitet und durch dunkle Stunden  getragen hat.

Michael Sebastian Kurth, auch bekannt als Curse und Moses Pelham, ehemals Rödelheim Hartreim Projekt.

„Freiheit kann man nicht eingrenzen, Freiheit muss man ausatmen.“ (Curse) – denke ich mir im Stillen, als ich mich wieder in einer endlosen Tirade zwischen XY und mir wiederfinde. Wie oft schon hatten wir uns über diesen Punkt gestritten und waren doch nicht übereingekommen. Mir fällt eine Passage aus: BIS ZUM SCHLUSS von Curse ein: „Ich kann nicht mehr länger kämpfen, ich kann nicht mehr länger stehen und ich kann nichts mehr für uns tun, wir zwei werden untergehen…“

Ja, es ist wohl Zeit der Szenerie den Rücken zu drehen, innerlich Abschied zu nehmen und weiter zu blättern in der Enzyklopädie meines Lebens. Vielleicht bin ich ja mittlerweile bei G wie Glück angekommen…

„Ich hab die gottverlassene Welt hier net gewählt, mich nie mit ihr vermählt, doch ihr Hass hat mich gestählt. Net, dass ich hart wär, ich bin eher zart beseelt, aber wo die Liebe fehlt, fehlt sie halt, auch wenn es dich höllisch quält!“ (Moses P.)

Wie Recht er hat. Und wenn es dann doch vorbei ist, gibt es kein wirklicheres Lied als: UND WAS IST JETZT (Curse):

„…und was ist jetzt, du siehst mich und guckst einfach nur weg, und was ist jetzt, bin ich leicht zu vergessen, bin ich ersetzt?“

Doch auch wenn ich die globalen Themen wie Liebe, Trennung, Schmerz ausklammere, finde ich hochintellektuelle, weitgeistige Passagen:

„Es ist einfach keine Zeit mehr für Trennung und Grüppchenbildung, ich will gute Bildung, bringt den Kleinen bei was gemeinsam heißt. Das ganze Leid ist zu viel für mich, ich ertrag´s nicht mehr! Wer jetzt noch rappt ohne Sinn ist genauso schlimm wie die Nazis!“ (Curse)

Quintessenz dessen, was ich hiermit versuche zu transportieren, ist, dass Intoleranz schon dort beginnt, dass wir Stile abstempeln und vorverurteilen, noch bevor uns die Tragweite dessen überhaupt bewusst oder gar bekannt ist. An alle Sesselpuper dort draußen, die nichts mit Hip-Hop anfangen können, weil das nur „Asis aus dem Plattenbau hören,  in deren Texten eh nichts anderes als Schwulenhass und fehlender Genitiv besungen wird“ – greift euch mal an die eigene Nase… Wer ist der diskriminierende die-Welt-ist-eine-Kugel-Propagierer  mit vollem Vorurteilsportemonnaie und leerem Toleranzkonto???

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Kommentare
  1. Nachbrenner: ich empfehle an dieser Stelle das Lied GETEILTES LEID von Moses Pelham. Man kann Schmerz nicht mehr auf den Punkt bringen, als es dieser begnadete Künstler in dem Lied getan hat. WATCH OUT!

  2. Hi Dani
    dann wird es Zeit, dass die beiden Hip Hopper etwas bekannter werden und solche wie Bushido, Fler, Sido und teilweise Eminem ablösen. Die kann ich nämlich kaum ertragen, allen voran Bushido mit seinem beginnenden Saubermann-Image, der keinerlei Vorbild ist für alle Plattenbewohner.

    Alles Liebe
    Oriana

    und eines, auch wenn ich den Hip Hop Style nur teilweise mag, bin ich kein intoleranter Sesselpuper. Auf meinem Tolernzkonto ist viel Guthaben. Ich stehe auf aufmunternde Worte, die finde ich bei o.b. Künstlern nicht maßgeblich (also bei Fler usw.) Bleib ruhig locker, nicht jeder mag Bach, Mozart, Pop oder Hip Hop, jeder hat seinen Geschmack

  3. Leon sagt:

    Sehr gelungen, was du aus meiner Themenidee gemacht hast 😉
    Beschreibt eindeutig gut, wie Hip Hop in Deutschland dasteht…

    @maerchenkinder: Du kennst garantiert Musik von Moses Pelham…du weißt nur nicht, dass das von ihm ist 😉 Im übrigen würde ich Curse & Moses Pelham nicht gerade als unbekannt bezeichnen…;)

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