Date-Apocalypse now!

Veröffentlicht: 8. August 2010 in Gedanken

Wenn es um Dates geht, oder nennen wir sie emanzipations-politisch korrekt „1. Treffen“ – *augenroll* – dann gibt es soviele verschiedene Möglichkeiten auf eine neue Person zu reagieren, wie Amy Winehouse verschiedene Drinks auf ihrer ganz persönlichen Getränkekarte verbuchen kann.

Es gibt das „Annehmbar“-Date: Man sieht sich, realisiert, dass das Gegenüber der für heute gedatete Mensch ist und denkt sich: „Ok, es löst jetzt nicht Euphorie Marke „Mondlandung“ in mir aus, aber es könnte schlimmer kommen. Ihr verbringt einen netten Abend zusammen, lächelt euch 2-3 Mal harmlos an und seid beide froh, als ihr euch mit einem erfundenen Spannungskopfschmerz auf die Couch retten könnt.

Das Katastrophen-Date: Dir wird schmerzhaft bewusst, dass die optische Umweltverschmutzung tatsächlich das Date für heute Abend ist und bist die nächsten 20 Minuten damit beschäftigt einen übermenschlichen, alle Sinne einnehmenden Brechreiz zu unterdrücken. Gott sei Dank kann man nicht aus den Augen kotzen… Egal, was er/sie sagt, euch ist glasklar, warum „ES“ solo ist. Nach 10 Minuten verschwindet ihr auf dem Klo, ruft panisch eine Freundin an und bittet diese einen Fakeanruf bei euch durchklingeln zu lassen, nur damit ihr Sekunden später mit einem gehauchten: „Entschuldige die Unterbrechung, erzähl mir mehr von deiner Modelleisenbahn und deren Funktionieren, das so wichtig ist für dein inneres Chi.“ wieder an den Tisch gleiten könnt. Als das Handy klingelt, schreit ihr ein hysterisches „ICHKOOOOOOOMME“! in den Apparat, nur um eurem Gegenüber Sekunden später von einem Hurricane erzählen zu können, der deinen Stadtteil, nur 2 Straßen entfernt, verwüstet hat und der es unabdinglich macht, dass du noch in dem selben Augenblick zum Auto rennst, um die Feuerwehr, das THW, ach was solls, den Papst zu konsultieren.

Das Grinse-Date: Ihr seht euch, atmet erleichtert auf, weil ihr diesmal nicht an eine Mischung aus Karl Dall und Guido Westerwelle geraten seid. Oh Wunder, euer Date erweist sich als charmant und witzig. Schon nach einer Stunde landet ihr bei ihm/ihr zuhause und beweist der Nachbarschaft eindrucksvoll, dass die Geräuschdämmung im Haus nicht den Namen verdient, den sie trägt. Schon am Morgen danach schmeckt der One-Night-Stand wie eine aufgewärmte Suppe. Man kann sie essen, aber lecker ist was anderes. Mit einem höflichen: „Wir telefonieren!“ verabschiedet ihr euch hurtig mit einem Küsschen, das so innig ist, als hätte der andere eine ganze Armada von Herpesbläschen an der Lippe, an der Haustür und werft noch in der selben Sekunde die eilig auf eine Serviette gekritzelte, eh falsche Telefonnummer, in den Gulli.

Das Nirwana-Date: Ihr seht sie und verspürt in der selben Sekunde einen tiefen, nicht erklärbaren Stich in eurem Harmoniezentrum, weil das, was ihr seht, WEN IHR SEHT, so unglaublich schön ist, dass es fast schon schmerzhaft ist. Ihr ringt nach Luft und versucht verzweifelt so etwas wie Normalität zu signalisieren. Während ihr händeringend versucht nicht mit dem Pulsschlag eines Kolibris vom Barhocker zu kippen, hängt ihr wie gebannt an ihren Lippen. Dabei ist es egal, was sie erzählt. Sie könnte auch über die steigende Müllentwicklung im Aldi / Hollern-Twielenfleth und dessen bedenkliche Entwicklung auf den Börsenmarkt referieren. Ihre Stimme lockt euch wie Musik aus dem Bau und lässt euch wie verrückt Emotions-Pirouetten drehen. Natürlich lasst ihr euch das nicht anmerken. Als es zu einem ersten Kuss kommt, befürchtet ihr kurz, dass ihr innerhalb der nächsten 2 1/2 Nanosekunden reanimationspflichtig werdet. MEIN GOTT! Sie scheint euch tatsächlich zu mögen!!!! Wie kann ein so wundervoller, engelsgleich schöner Mensch EUCH gut finden?!? Ist das ein gutes oder ein schlechtes Zeichen??? Egal, es zählt nur noch eines. So schnell wie möglich und so liebevoll wie möglich in diese ungeahnte, nie erlebte Harmonie eintauchen, die so viel verspricht, aber nicht den Hauch einer Ahnung hinterlässt, ob sie das Versprechen auch halten kann.

Egal, nicht mehr denken. Fühlen hat nun die oberste Prämisse. Aaaaaaah, das Telefon geht. SIE ist es! Nachdem ihr euch panisch eine Monsterportion Diazepam intravenös injiziert und einmal tief durchgeatmet habt, nehmt ihr den Hörer ab, um endlich wieder mit ihr zu telefonieren und diese unsagbar sexy Stimme zu vernehmen!

„Matijevic??? Ah, schön, dass du anrufst.  Hallo, mein Freund…!“

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Kommentare
  1. Stella sagt:

    Für mich warst du ein Nirwana-Date. Du hast dich mit einem Wir telefonieren verabschiedet. Was kann man tun um dich zu begeistern????????? Bitte ruf mich an.
    Kuß, Stella

  2. barbara sagt:

    Wunderbar treffend, … bitte, lieber Gott, lass es mich noch mal erleben…

  3. Frauke sagt:

    Und wie nennst Du folgendes Date?

    Man trifft sich mit einem Menschen der einem eigentlich sympathisch ist. Sieht toll aus, ist eigentlich, augenscheinlich, recht gebildet und scheint auch nicht gerade eine falsche Wahl zu sein. Man verabredet sich für den Abend und trinkt zusammen Bier und unterhält sich. Irgendwann bemerkst du, dass immer wieder von der vorangegangenen Beziehnung die Sprache ist. Erst denkst du dir, ach, das ist bestimmt nur Zufall, sie waren halt lange zusammen und haben viel erlebt, aber irgendwann stellt sich heraus, dass die gar nicht so lange zusammen waren. Eigentlich nur drei Monate. Naja, dann denkste halt, mei, war halt eine innige Beziehung, aber irgendwann kommt raus, nee, war es eigentlich nicht. Gut, die Person ist über die verflossene Liebe halt noch nicht hinweg. Kann man ja mit leben. Man muss sich ja nicht drauf einlassen und einfach so befreundet sein. Irgendwann schlägt diese Erzählung in eine Art Dr.-Sommer-Beratung um und du denkst so bei dir, ok, wie bekomme ich sie wieder fröhlich. Ah, ich weiß, erzähl von deiner Beziehung wo der Ex dann die Ex geheiratet hat, das lenkt immer alle ab, weil die Geschichte so unglaublich ist und einem keiner glauben würde, wenn man sie nicht selbst erlebt hätte. Naja, dann die Frage: Du bist aber noch nicht darüber hinweg oder? Ich bin irritiert. Natürlich bin ich darüber hinweg, das ganze ist schon vier Jahre her und ich erkläre das auch so und ich bekomme zu hören, nee, nee, du bist da noch nicht drüber hinweg, so wie ich bei meiner verflossenen Liebe. In dem Moment fällt dir dann erstmal alles aus dem Gesicht, weil du dir eigentlich sicher bist, dass du schon genau weißt was du sagst und seither nur noch in Situationen die Geschichte erzählst, in der sich Leute ihre merkwürdigsten Erlebnisse erzählen. Gegen dein Gegenüber hast du aber keine Chance. Es ist über seine verflossene Liebe natürlich schon lange weg, du hingegen bist es nicht. Immerhin was gelernt…

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