Scarlett „Jule“ Ohara

Veröffentlicht: 11. August 2010 in Uncategorized

Wer mich kennt, weiß, dass ich ein sehr selbstbewusster, willensstarker und disziplinierter Mensch bin, der nie schwankt oder an seinen Entscheidungen zweifelt.

Leider hat niemand meinem Hund erzählt, dass ich ein solcher Mensch bin…

Das ist ja echt nicht zu fassen. Jule sitzt mit einem hypnotisierenden Blick aus wunderschönen Welpenaugen vor mir in der Küche und ich sehe förmlich, wie sie mir ununterbrochen den Satz funkt: „Wirf die Wurst von deinem Brötchen zu mir herunter, wirf die Wurst zu mir herunter, wirf die…“

Streng schaue ich zu meinem Zuckerwelpen nach unten und schelte Jule vorwurfsvoll: „Jule, das kannst du knicken. Du weißt, dass du nichts vom Tisch kriegst!“

Gelangweilt gähnt Jule und setzt sich demonstrativ um, so dass ich die Gelegenheit habe ihren Brötchenpopo zu betrachten, was mir deutlich zeigen soll, was sie von meinem Entschluss hält. Hin und wieder wirft sie mir einen filmreifen Blick a la „Wie kannst du nur…“ über die Schulter, der mir, ärgerlich muss ich das zugeben, ein schlechtes Gewissen macht. Langsam schleppt sich Jule zur Küchentür, nicht ohne mir an der Schwelle einen tieftraurigen Blick zuzuwerfen, der mich erschüttern lässt. Mit hängenden Ohren, der sie wie einen geprügelten Hund aussehen lässt, dreht sie sich zum Flur.

„Jule, das kannst du knicken, das zieht nicht!!!“ Wieder schaut sie depressiv zu mir herum, ein Blick,  der jedem Selbstmordgefährdeten Vorbild hätte sein können. „Ach Juli, das ist doch nicht gut für dich…!“ Langsam dreht sie sich um und humpelt gemächlich auf mich zu. Es ist nicht zu fassen, was für ein schauspielerisches Talent sie auffährt um ihren Willen zu bekommen. Jedem anderen Hundebesitzer hätte ich an dieser Stelle geraten auf GAR KEINEN FALL umzukippen – ob ich das durchhalte wage ich so langsam zu bezweifeln.

„Julchen, du hast doch gerade gefuttert!!!“ Mit schiefem Kopf setzt sich Jule vor mir auf ihren kleinen Po und schaut mich an als wollte sie sagen: wir wissen doch eh, wer am Ende gewinnt, also lass mich nicht so lange warten.

„Jule, das kannst du vergessen, du kriegst die Wurst nicht!!!“ Seufzend legt sich die Welpen-Scarlett-Ohara vor mich und platziert ihren kleinen Kopf gekonnt auf ihrer Pfote, nur um Sekundenbruchteile später effektheischend zu mir nach oben zu schielen. Ich bin mir sicher, dass sie die Hunderechtskommission verständigen würde, wenn sie könnte!

„Ach Mensch,…“ resignierend stehe ich auf und sehe, dass Jule wie ein geölter Blitz vor mir in Position geht, um die Mortadella von meinem Brötchen mit einem schnellen Haps in das Maul zu nehmen. „Irgendwo werde ich sicher noch ein wenig Marmelade finden.“

Als ich mich mit einem erbeuteten Glas Kirschmarmelade umdrehe um mein Frühstück fortzusetzen, fehlt von Juli jede Spur. Das Einzige, das darauf hinweist, dass sie dagewesen ist, ist das verschmähte Stück Wurst, das vor dem Tisch verwaist auf dem Boden liegt.

Manchmal bin ich sehr müde…

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Kommentare
  1. Jana K. sagt:

    Haha … Ja, der kleine süsse Wuff benimmt sich wie ein kleines Kind und wenn man treue Kulleraugen macht, dann wird Mami schon rumzukriegen sein … jaja. Aber voll niedlich geschrieben … supi schön!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

  2. barbara sagt:

    Da hast du ja deinen Meister gefunden… grins…

  3. Coralynn sagt:

    Achja unsere treuen Lebensgefährten… Immer wieder unterhaltsam. Kenne das zu gut von unserem Hund. Der hat zwar nicht solch ein schauspielerisches Talent wie Jule aber es geht ähnlich zu^^

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