Erika Nostradamus

Veröffentlicht: 14. August 2010 in Unmögliche Situationen

Es gibt viele Dinge zwischen Himmel und Erde, die sich mir wahrscheinlich niemals erschließen werden, was auch vollkommen ok ist, denn ich habe nicht den Anspruch oder den Wunsch alles begreifen zu müssen. Was mir allerdings vollständig suspekt ist und mir immer wieder den Eindruck suggeriert, dass ein gehöriger Teil der Menschheit gewaltig einen an der Waffel haben muss, ist:

ASTRO-TV!!!

Habt ihr da schon mal reingeschaut? Euch die Muße genommen einen Moment zuzusehen, nur um einige Zeit später angewidert den Fernseher auszuschalten, mit dem dringenden Wunsch zu duschen, um euch diese Stupidität vom Leib zu waschen???

Folgende Situation:

Eine, nennen wir sie charmant, etwas sehr füllige Dame in den 50-igern, die Dankbarkeit in mir erweckt, weil ihr Äußeres nicht wirklich eine fundierte Hygiene verspricht und den Grad der Geruchsbelästigung nur erahnen lässt, sitzt mit ungepflegten Händen, den stylisch dazu passenden Schweißrändern um die Achseln und einem über die Jahrzehnte geretteten VoKuHiLa an einem Tisch und mischt mit den speckigen Flossen ein paar schmuddelige Karten. Die Zahnstummel in ihrem Mund sind von einem ekelerregenden, aber den Typ sinngerecht ins rechte Licht rückenden, nikotingelben Stich überzogen, als sie wenig ambitioniert losquasselt:

„Soo, dann wolln wa ma wieda. Wea is nu de Nächste??? Ah, da hab ich auch schon de Claudia aus Grevenbroich. Claudia, wat kannich füa dich tun?“

„Ich würde gerne wissen wollen, ob sich mein größter Wunsch erfüllt.“ säuselt „Claudi“, wie sie lieber genannt wird, naiv ins Telefon.

Sofort legt Erika, besser bekannt als Nostradamus´Rache, ihre Stirn in respektvoll viele Falten. Geschäftig rührt sie in ihren Karten rum und demonstriert der Welt, dass man sich die Hände nicht waschen muss, um ins Fernsehen zu kommen.

„Jaa, da frach ich ma de Karten.“ Völlig überzogen versucht ES eine Message aus den Karten zu empfangen. „Ich sehe, dass die Überwelt allet tun wiad, damit sich dein Wunsch erfüllt.“ Ein schwerer Hustenanfall erschüttert die perfekte Betonfrisur von „dat Erika“. „Wat hasse dia denn gewünscht?“ will sie, noch hochroten Kopfes von der wahnsinnigen Anstrengung des Hustens, wissen.

„Ich wünsche mir im Lotto zu gewinnen.“

„Ja, dat wiad nich passieren, ne? Da brauch ich nich ma meinen Kaaaten!“ Oha, der derangierte Astro-Mop ist angefressen.

„Der näääächste…“

Alles weitere will ich euch ehrlich gesagt ersparen. Wie einsam muss man sein, wenn Menschen bei solchen Scharlatanen anrufen, statt einen guten Freund zu konsultieren? Ganz ehrlich, Leute, geht raus, lernt andere Menschen kennen, unterhaltet euch wieder, aber gebt solchen Emotions-Vampiren keine Chance weiter auf euren Gefühlen herumzutreten!

Es ist traurig, wenn man mit der Einsamkeit anderer Menschen ein Geschäft macht. PFUI!!!

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Kommentare
  1. Laura von W. sagt:

    Hahhahahahahhaha, wie geil!!!!! Ich lach mich weg! Respekt!

  2. Florian K sagt:

    Kostet das was da anzurufen? Wenn nicht, wäre es doch überaus witzig, wenn du ihr das mal persönlich sagen würdest! 😉 Aber sag vorher bescheid!

  3. kann nur wiederholen: genial

    du hast es geschafft deine mir so ähnlichen gedankengänge so genial in worte zu packen, dass diese skuriele situation mit all ihren botschaften 1:1 rüber kommt.

    p.s.: angeblich ist der erste anruf umsonst!! ich wollte von dem gutschein gebrauch machen. aber um den zu nutzen muss man erst mal die bankdaten angeben. so wat von unseriös! ;o) liebe grüsse und weiter so!

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