Homo Fabulös

Veröffentlicht: 16. August 2010 in Cosmopolitische Überlegungen

Ich werde oft gefragt, wie ehrlich ich in den Medien mit meiner Homosexualität umgehe. Nun, als ich vor genau 14 Jahren mein Outing bei Freunden und Familie hatte, war für mich klar, dass mein Weg geebnet ist. Ich habe seither niemals meine Gesinnung, nämlich auf wunderschöne, intelligente, hinreißende und witzige Frauen zu stehen, verleugnet.

Frauke, eine nette Schriftstellerkollegin, hat mir gestern einen von ihr verfassten Artikel geschickt, aus dem ich partiell zitieren möchte.

„Das Outing ist in Wirklichkeit ist es ein schwerer und langwieriger Prozess der Selbstfindung, der nicht nur die eigene Welt vollkommen in Frage stellt, sondern der auch bedeutet, dass man seine komplette Existenz auf´s Spiel setzt.“

Da gehe ich in so fern konform, als dass man nichts zu befürchten hat, wenn man von vornherein offensiv damit umgeht. Ich behaupte mal, dass es niemanden, der den Blog liest, stört, dass ich dem schönen Geschlecht verfallen bin, da es vorher schon weithin bekannt war.

„Normalerweise würde man sagen, „sie fängt halt an sich für Jungs zu interessieren“, aber das ist eigentlich eine falsche Aussage. Sie interessiert sich genau genommen für die Liebe, denn das ist letztlich worauf es bei dieser ganzen Sache ankommt.“

Ich denke, dass sich die sexuelle Präferenz sehr früh herauskristallisiert. In meinem Fall war ich neun, als ich mich das erste Mal in eine Frau verguckte. Nein, im Grunde genommen war ich schon in meine Grundschullehrerin verknallt…

„Sie geht den Weg des geringsten Widerstandes und wehrt sich gegen ihre eigene Identität, weil sie nicht anders sein will, sie will der Gesellschaft genügen, ein nützliches Mitglied sein und vor allem nicht Mama und Papa enttäuschen. Das nennt man dann auch Selbstverleugnung.“

Schade, dass es heute, im 21. Jahrhundert noch immer so marzialisch zugeht, doch ich denke, je eher man Selbstverleugnung kategorisch aus seinem Leben ausschließt und die widrigen Umstände so eilig wie möglich angeht und ihnen die Stirn bietet, desto eher ist ein ehrliches Glücklichsein möglich!

„Eines Tages wacht das Mädchen, mittlerweile ist sie eine Frau, auf und neben ihr liegt ein Mann, ihr Mann. Sie hat geheiratet, eine Ausbildung hat sie auch noch gemacht, aber die braucht sie gar nicht, weil sie schon im 8 Monat schwanger ist und stellt fest, verdammte Scheiße, was hast du hier eigentlich getan? Nun lebt sie bis ans Ende ihrer Tage in einer unglücklichen Ehe, nur um ihrer Familie zu genügen.“

So muss, kann und darf es nicht laufen. Ich frage hier ganz bewusst nach der Verantwortung für das ungeborene Kind. Wer möchte in zerrütteten und unglücklichen Verhältnissen aufwachsen und will man sowas tatsächlich verantworten???

„Im Übrigen scheitern viele Beziehungen am Outing, weil eine der beiden aus irgendeinem Grund auf das Outing verzichten will oder muss. Mal ehrlich, einige Lesben sollten echt mal raffen, dass das immer eine persönliche Entscheidung ist und wenn eine Frau sich nicht outen will, dann ist das ihre Sache, aber ich kann sie nicht dazu zwingen und wenn man die Frau, die man angeblich so sehr liebt, mit dem Argument, ich will nicht versteckt leben, verlässt, dann ist das nur ein Vorwand, denn ALLE Lesben wissen ganz genau was ein Outing bedeutet und man hat nicht das Recht für eine andere zu entscheiden was man tut und was nicht. Unsere junge Dame muss also ihre „beste“ Freundin auf jede Familienfeier mitnehmen und natürlich sind Spannungen jedes Mal vorprogrammiert und danach gibt es Streit. Es geht immer um das gleiche: Wann sagst du es endlich allen? Du verstehst mich nicht. Du liebst mich nicht richtig, denn der Mensch neigt ja dazu sich emotional zu erpressen, wenn er kein Argument mehr findet.“

Wenn es schon so weit ist, dass man moralisch erpresst wird, ist nicht die eigene Meinung etwas, das man überdenken und partiell negieren sollte, sondern die angebliche „Partnerin“. So was GEHT GAR NICHT!

Quintessenz dessen:

Lebt und liebt wen ihr mögt, steht dazu, wenn es euer Wunsch ist, aber hört auf konform zu gehen mit Menschen oder Meinungen, die ihr im Grunde genommen verabscheut! Schon im alten Griechenland war die gleichgeschlechtliche Liebe ein gerngesehenes Novum, das weder als anstößig, noch als minderwertig angesehen wurde. Eine tolle Einstellung! Ich würde sagen: BACK TO THE ROOTS!!!

Ich bin eine stolze, lesbische Frau und glücklich darüber, dass ich weiß, was ich will. Was bitte schön, soll daran verwerflich sein?

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Kommentare
  1. Jana K. sagt:

    Hallo Dani!
    Es ist überhaupt nix Verwerfliches daran.
    Jeder sollte die Möglichkeit haben, die Person zu lieben, welche ihr am Herzen liegt und zu der sie/er sich hingezogen fühlt.
    In meinem Familien- und Freundeskreis bin ich immer wieder erschrocken, wenn das Thema Homosexualität aufgegriffen wird.
    Selber bin ich Mama und habe nun eine pubertierende Tochter und stehe, bei solch abwertenden Meinungen, vor der Schwierigkeit ihr zu erklären, dass lesbisch bzw. bei Jungen schwul sein kein Verbrechen ist und garnichts schlimmes darstellt.
    Die Menschheit soll endlcih verstehen, dass es nun mal schwarze, weiße, lesbische, schwule Menschen usw. gibt und soll sie so nehmen, wie sie von ihrer Gesinnung, Gefühlen … her sind.
    Danke für diesen tollen Artikel!!!!!!!!!!!!
    Grüssle Jana

  2. Oriana sagt:

    Hallo Dani-Spatzi,
    Mensch, Mensch, Du haust ja rein 🙂
    Ich kann da nur eines zu sagen:

    Die Liebe hat viele Kleider; wir dürfen selber schauen, in welchem wir uns gefallen und welches uns steht. Ich freue mich, dass es den Nektar Liebe gibt; und wir kosten dürfen, kosten können. Es ist das Elixir, das uns Leben spüren lässt.

    Und?
    Ich bin froh, dass mir die Liebe schon in vielen Gewändern begegnet ist; und ich freue mich immer wieder auf die Liebe. Mensch bleibt Mensch, Liebe ist und bleibt Liebe.
    Alles Andere sind Geschenke in leiblichen Gewändern, denn Liebe (wie Khalil Gibran)
    genügt der Liebe.

    Alles Gute Dani
    und eines noch…..Medizin kann so spannend sein, oder ??;)
    Oriana

    • Hahhaahhahaa, du bist echt klasse, Oriana! Du triffst den Nagel mal wieder auf den Kopf 😉
      Mit Khalil Gibran zitierst du einen meiner Helden, aber das ahnst du sicherlich!
      Freue mich auf unser Telefonat!

      Es umarmt dich,
      Daniela

  3. Janina sagt:

    ich finde es sehr traurig, wie nicht nur im Ausland, sondern auch in unserem ach so toleranten Land über gleichgeschlechtliche Liebe geurteilt wird.
    Viel zu oft fallen da Sätze, die ich hier nicht wiederholen möchte, bei denen mir schlecht wird. Ein früherer Nachbar sagte einmal, wenn sein Sohn sich outen würde, würde er in verprügeln und rauswerfen. Was ist das bitte für eine Aussage??? Spannend ist allerdings immer wieder, wenn es heißt „bei Frauen ist das nicht so schlimm, aber Männer zusammen zu sehen ist ekelig“. Aha. Wenn da mal nicht der männliche Wunschtraum gesprochen hat.

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