Gott ist groß!

Veröffentlicht: 17. August 2010 in Cosmopolitische Überlegungen

Mit großem Interesse verfolge ich die Kontroverse, über die sich ganz Amerika gerade schwachsinnig diskutiert. Die Frage, die im Raum steht, nämlich ob am Ground Zero eine Moschee errichtet werden soll, wurde von dem mächtigsten Mann wie folgt kommentiert. Seiner Meinung nach habe ein jeder Amerikaner „…dasselbe Recht wie alle anderen in diesem Land, ihre Religion auszuüben.“

Durch Amerika ging ein Aufschrei der Entrüstung!!! Eine Moschee an dem Ort, an dem militante Moslems den Tod von mindestens 2993 in einem terroristischen Massenmord forcierten???

Mittlerweile ist Obama zurück gerudert und meint, es ginge ihm in seiner Aussage um das in der Verfassung verankerte Recht auf Religionsfreiheit. Auch aus den eigenen Reihen, etwa von Harry Reid, wurde er daraufhin scharf attackiert.

Ich muss ehrlich sagen, dass ich diesbezüglich sehr – sagen wir vorsichtig: ambivalent bin.

Einerseits wäre es eine große, hasssprengende, vergebende Geste, die ein Zeichen setzen würde, dass der ganzen Welt symbolisiert, dass Amerika in der Lage ist seinen Feinden zu verzeihen. Nichts wird auf dieser Welt in einer Zeit, in der Wettrüsten und demonstratives Kräftemessen – derzeit am stärksten in Nord-Korea – jederzeit präsent sind, wichtiger, als sich großmütig zu vergeben und bereit zu sein die Vergangenheit auch das sein zu lassen, was sie ist. Nämlich die Vergangenheit.

Doch in mir überwiegt der Teil, der sagt, dass das Zeichen der großen Geste sicherlich übermenschlich wäre, doch ich frage mich, in wie fern der Westen die Mutter Theresa östlichen Fundamentalismus sein muss? Ich glaube nicht, dass man ALLES verzeihen kann und vor allem auch muss! Und wenn von Respekt und Vergebung die Rede ist: wo bleibt dann ein christilicher Dom genau neben der Kaaba in Mekka??? Eine Synagoge in Palästina? Eine katholische Mädchenschule in Kabul?

Meiner festen Überzeugung nach ist eine Moschee am Ground Zero ein Affront für all die Angehörigen derer, die am 11. September 2001 unschuldig am Hass einiger weniger zerschellt sind. Das heißt nicht, dass ich den Bau der Moschee kategorisch negiere, ich finde nur den Ort und die damit zusammen gehörige Intention mehr als fragil!!!

Toleranz bedeutet nicht nur vergeben zu können. Toleranz bedeutet auch über seinen Tellerrand hinaus zu schauen und seinen Hass mit Logik und Verständnis anzugehen. Statt seine Energie darauf zu verwenden lauthals ein Zeichen islamischer Kultur an dem Ort zu fordern, der für die westliche Welt eine große klaffende Wunde hinterlassen hat, sollten eben jene alles tun, damit Hass nicht noch einmal so eskaliert und die Menschheit in Unsicherheit und Fremdenhass kultivieren lässt!


An dem Tag, an dem ein weiblicher Mullah den Pilgern in Mekka die Lehren Mohammeds nahe bringt, bin ich die erste, die die Kelle in die Hand nimmt und eine Moschee baut – und wenn es sein muss direkt in meinem Garten!!!

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Kommentare
  1. Sandy sagt:

    Hey Dani,

    ich stimme dir und deinem Text zu 100% zu. Ich sehe das ganz genauso.
    Wenn in muslimischen Ländern Kirchen gebaut werden dann dürfen sie auch gerne Moscheen in Deutschland und sonstwo auf der Welt bauen. Sogar mit dem Geschrei das alle paar Stunden aus den Lautsprechern hallt.
    Das Wort ambivalent muss ich noch mal nachschlagen. 🙂

    Du hast mit deiner witzigen aber direkten Art genau das beschrieben was wohl jeder denkt. Ich bin begeistert.

    LG Sandy

  2. Olaf Görtz sagt:

    Bitte erst dann, wenn in Jedaah/Mekka eine Synagoge, ein Buddistischer Tempel und eine christliche Kirche gebaut werden. Nicht zu vergessen ein Tempel für Hindus.

  3. Das ist ein Kampf der seit Jahrhunderten dauert – Kirchen wurden im Osten gebaut, als die Templer unterwegs waren – diese wurden zu Moscheen umgebaut und wieder zu Kirchen. Christen und Moslems werden sich auch noch die naechsten Jahrhunderte streiten. Das liegt an der egoistischen Art der menschen die diese Glaubensrichtugen anhaengen. Und: Weil es immer Christen gibt, die im Osten sein werden und Moslems, die im Westen sein werden.

    „Toleranz bedeutet nicht nur vergeben zu können. Toleranz bedeutet auch über seinen Tellerrand hinaus zu schauen und seinen Hass mit Logik und Verständnis anzugehen.“

    Der Gerry

  4. Lea Korte sagt:

    Nebenbei: katholische Priesterinnen gibt es auch nicht 😉

    Obamas Vorschlag ist gewagt – aber er würde ein Zeichen setzen.

  5. Du sprichst mir aus der Seele mit Deinem Blogeintrag. Ich habe ja selbst immer versucht das Thema Religion aus meinem eigenen Blog rauszuhalten. Kann mitunter ganz hässliche Szenen (Kommentare, die einfach nur zum Kotzen sind) geben, die dann außer Kontrolle geraten können. Aber Du hast es in der Tat geschafft, die Differenzierung zwischen Toleranz und die Frage des Anstands herauszukristallisieren. Und zwar OHNE wirklich Partei für eine Religion zu ergreifen… Daumen hoch für Deinen Beitrag!

  6. Ben Tewaag sagt:

    Religion wird leider IMMER in Politik einfliesen, das is die Crux! Würden 90% z.B. der Amerikaner „an Aliens glauben“ – würde es die Politik selbstverständlich auch beeinflussen! So is das in jedem Land. Die Oben brauchen Stimmen, und die Unten was woran sie glauben können (wenn es schon nicht ihr eigenes Leben ist)…

    Umso schlechter es Menschen geht – desto mehr „glauben“ sie. Das müsste der Ansatz sein. Helft Menschen mit Hunger & Krankheit > und sie werden an Menschen und nicht an abgefuckte Götter glauben!

  7. Cornelia Franke sagt:

    Ich stimme mit deiner Ansicht überein, Daniela. Persönlich gesehen würde ich an Ground Zero nie mehr ein Gebäude/Moschee oder sonst was hinsetzen. EIn Denkmal, ja. Soweit ich weiß, gab es dafür auch schon Pläne. Auf jeden Fall sollte Ground Zero ein Ort der Trauer für die Angehörigen und ein Mahnmal für die schrecklichen Eregnisse des elften Septembers.

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