Gedanklich spazieren gehen

Veröffentlicht: 22. August 2010 in Unmögliche Situationen

Kennt ihr die Situation, dass euer Kopf gedanklich spazieren geht, während ihr verzweifelt versucht ein wenig kompetent und sachverständig rüber zu kommen? Es gibt massig solcher Vorfälle, die sich in letzter Zeit leider bei mir häufen…

Im Interview bin ich so abgelenkt von dem Möchtegern-Bushido am Nachbartisch, der in einer Tour und mindestens 17 Mal in jedem Satz „ALTAAA“ brüllt, dass ich kaum in der Lage bin mich aufs Gespräch zu konzentrieren. Läuft ungefähr so ab:

„Wieso heißt ihr Buch „Mit der Hölle hätte ich leben können“, Frau Matijevic?“

In meinem Kopf spielt sich ab: „Satan, jetzt hat Magic Sonderschulabbrecher schon das 32. Mal „Alta“ gesagt. Ob er wohl seiner Freundin auch in ähnlich charmanter Weise den Hof macht? Oh, Moment, er Journalist hat was gefragt.“ Ich sage: „Pardon, was haben Sie gesagt?“

„Ich fragte: wieso heißt ihr Buch „Mit der Hölle hätte ich leben können.“

Ich sage: „Weil die Repressalien…“ und hier verabschiedet sich mein Kopf schon wieder, weil ich neben dem beeindruckenden „Alta“ nun auch ein resolutes „ICH SCHWÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖR!“ vom Nebentisch vernehme. „Nun, weil ich erfahren habe, dass…“ Ich denke: „Unglaublich, ob der wohl einen Fernkurs in nonexistenter Kommunikation besucht hat???“ Ich sage: „Sorry, würden Sie die Frage bitte nochmal wiederholen???“

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Noch schlimmer ist es allerdings, wenn man jemandem gegenüber steht, sitzt, liegt, der mehr für einen darstellt als der Papst dem gläubigen Katholik.

Sie fragt: „Wie findest du das Hotelzimmer?“

Ich denke: „Unglaublich, wie schön sie ist. Ob ihr wohl bewusst ist, dass sie eine sagenhaft schöne Frau ist?!? Bestimmt. Sie wird es ja schon etliche Mal gehört haben. Wahnsinn, wie kann man so schöne Haare haben…“ Ich registriere, dass sie etwas gesagt haben muss, weil eine angespannte Stille in der Luft liegt. Ich sage: „Ja, schön, dass die Autofahrt hinter mir liegt.“

Sie lacht. Wieso weiß ich nicht. Hatte sie mich nicht gefragt, ob ich froh bin angekommen zu sein?

Sie fragt: „Wo wollen wir essen gehen?“

Ich denke: „Ok, sie hat dich was gefragt. Gott, hat sie ein tolles Lachen! Konzentrier dich, laber jetzt keinen Scheiss! Antworte so cool und eloquent wie möglich. Irre, wie toll ihre Augen in dem Licht funkeln! Nicht, dass du irgendeinen Müll von dir gibst! Ob sie wohl ahnt, dass ihr das T-Shirt sagenhaft gut steht?“ Ich sage, so gelassen es mir eben möglich ist: „Ööööööööööööh, is mir egal.“

Na toll, jetzt haste ja doch Stuss erzählt. Ich komme mir vor wie Baby aus „Dirty Dancing“, die Patrick Swayze stolz verkündet: „Ich habe eine Wassermelone getragen.“ Zumindest scheine ich ähnlich wortgewandt rüber zu kommen.

Sie grinst. Super. Dann ist sie noch nicht gänzlich abgeschreckt. „Ich wäre für Thailändisch. Magst du das?“

Ich denke: „Puuuuuuuuuh, sie will wissen, ob ich thailändisches Essen mag. Mein Gott, sie sie hübsch. Wie schmeckt nochmal thailändisches Essen? Und so klug und witzig dazu!!! War das nicht das Zeug bei dem Chinesen am Bahnhof? Mein Gott, würde ich sie jetzt gerne küssen.“ Ich sage: „Klar!“

Super, Matijevic. Du wirkst wie ein 12-jähriger Teenager mit schwer autistischen Zügen (nix gegen Autisten – liebe Grüsse an F. an dieser Stelle! ;-)). Wenn du dir noch ein wenig Mühe gibst, hat sie vielleicht Mitleid und fragt dich, ob sie eine Zwangseinweisung initiieren soll. Also schiebe ich lässig hinterher:

„Ich esse alles gern, was gut ist.“ PRIIIIIIIIIIIMA, Daniela, jetzt hast du auch noch elegant hinterher geschoben, dass du verfressen bist, was überhaupt nicht stimmt. Falscher, TOTAL falscher Eindruck.

Aber zumindest bin ich froh, dass ich bei ihrer Frage, ob mir Mannheim gefällt, nicht freudestrahlend beim Blick aufs Handy verkündet habe: „Der Anruf war nicht wichtig!“ Oder was hat sie nochmal wissen wollen????????????????????????

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Kommentare
  1. Jana K. sagt:

    Hallo Daniela!

    Ich kann nur sagen: “ Muss Liebe schön sein“!
    Sehr schön und bis ins kleinste Detail beschrieben, was einem passieren kann, wenn die Liebe zuschlägt und man keinen Gedanken mehr ordentlichen aussprachen kann.
    Doch schämen barucht man sich in solcher Situation nicht, sondern sich erfreuen an solchen Momenten des Lebens, wo einem durch die Liebe die standfesten Füsse sprichwörtlich weggegzogen werden.
    Ich wünsche Dir in Sachen Liebe alles erdenklich Gute und viele schöne Momente!

    LG Jana

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