Wind beneath my wings

Veröffentlicht: 23. August 2010 in Gedanken

Wer mich kennt oder diesen Blog aufmerksam liest, weiß, dass ich ein enorm multitasking-fähiger, oder besser gesagt -geplagter Mensch bin. Ich kann mich -fast- unproblematisch mit jemandem unterhalten und habe doch etliche andere Filme laufen.

Geschah auch heute, als ich mich mit meiner ältesten Freundin, die ich mittlerweile seit fast 23 Jahren kenne, zum Frühstück traf. Es hat unglaublich Spaß gemacht wieder miteinander zu lachen, sich die neuesten Neuigkeiten zu erzählen und die Sorgen und Nöte zu eruieren, die einem auf der Seele brennen. Hier wieder das nur allzu bekannte „Daniela denkt, Daniela sagt“ – Spiel:

Sonja: „Wann genau kommt dein Buch jetzt raus?“

Ich denke: „Irre, wenn ich bedenke, dass wir uns schon soooooo lange kennen. Als wir 13 waren sind wir „hauptberuflich“ in Cafes gegangen und haben über Gott und die Welt gesprochen. Wahnsinn, wie erwachsen sie aussieht. War lustig, als wir noch um die Wette zum Friseur gelaufen sind. Oh, Moment, sie hat was gefragt.“ Ich antworte: „Am kommenden Montag. Ich nehme den Fruchtspieß. Und du?“

Ich beobachte, wie Sonjas Hand die Karte hält und ihr Blick aufmerksam das Angebot prüft. Witzig, wie sehr der Ehering an ihrer Hand das alte Bild von ihr in meinem Kopf revidiert.

Sonja: „Die Pancakes klingen ja lecker.“ Es ist bezeichnend, wie schmal sie in den letzten Jahren geworden ist. Als wir Teenies waren, war ich ein Strich in der Landschaft und Sonja war von ein paar Babyspeckpfunden geplagt. Heute bin ich froh, wenn Greenpeace mich nicht auf der Straße anspricht und mich fragt, ob sie mich zurück ins Meer schleppen sollen.

Ich sage: „Ist alles ganz super hier.“ Sonja erzählt mir von den kleinen, aber auch den großen Sorgen, die ihr Leben in letzter Zeit beherrscht haben. Ich denke: „Früher haben wir stundenlang zu Musik von BLACK  oder BETTE MIDLER mit dem unglaublich schönen Song „Wind beneath my wings“ herumphilosophiert und am Ende festgestellt, dass eines der wenig konstanten Dinge in unserem Leben unsere Freundschaft geworden und vor allem geblieben ist. Wann, liebe, süße, zuckerweiche Sonja, sind wir so erwachsen geworden und haben wir das überhaupt je gewollt??? Ich weiß noch wie heute, als du mir damals eine Passage aus eben diesem Lied aufgeschrieben hast und sagtest, dass du genauso über mich denkst:

„Did you ever know that you’re my hero,
and everything I would like to be.
I can fly higher than an eagle
when you are the wind beneath my wings.“

Heute, Sunny, denke ich so über dich!“

Ich gehe an die Kasse und zahle und freue mich, dass wir noch ein wenig Zeit zum Shoppen haben. Früher hätten wir jeden Einkaufsladen mitgenommen. Heute frequentieren wir Rossmann und den Saturn. Wenig infantil, oder?

Doch das Wunderschöne an mitwachsenden Freundschaften ist, dass es egal ist, worüber man sich unterhält. Es ist eins, ob man sich gegenseitig von Fury in the Slaughterhouse vorschwärmt, PUR-Texte rezitiert (etwas, wofür ich mich heute noch extrem schäme!!!) oder über Baufinanzierungen spricht. Fakt ist, dass nichts und niemand uns das Gefühl nimmt, das zwischen uns existent ist. Wieder schießt mir das Midler-Lied in den Kopf:

„It must have been cold there in my shadow,
to never have sunlight on your face.
You were content to let me shine, that’s your way.
You always walked a step behind.

So I was the one with all the glory,
while you were the one with all the strength.
A beautiful face without a name for so long.
A beautiful smile to hide the pain.“

Du, meine liebe Sunny, verdienst Anerkennung für all das, was wir zusammen durchgemacht haben…!“

Komme was wolle, mein Sonja-Schatz, nichts und niemand wird je einen Keil zwischen uns treiben. Ich habe dich sehr lieb! Es gibt nichts, was wir nicht schaffen!

Deine Daniela

Post Scriptum:

ich bin mir sicher, dass ihr alle da draussen irgendwo einen Freund habt, für den ihr ähnlich empfindet. Geht raus und sagt es ihm!!! Es ist niemals zu viel, aber leider manchmal zu spät, wenn ihr zulange damit wartet…

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Kommentare
  1. Frauke sagt:

    Du bist einfach unglaublich toll…Du hast Recht, jeder hat so einen Menschen und man sollte ihn gut bewahren, denn er steht Nachts, egal wo, um vier Uhr vor Deiner Tür und trocknet Dir die Augen, wenn es nicht mehr anders geht…

  2. Sunny sagt:

    Meine liebe Dani, auch wenn ich – du weißt – gar kein Freund von solchen Plattformen bin, kann ich deine lieben Worte hier nicht unkommentiert lassen. Auch ich bin froh darüber, dass das Band zwischen uns nie gerissen ist, auch wenn wir mehr als einmal daran gezerrt und auch schon mal losgelassen haben. Es macht mich froh zu sehen, wie dein Leben endlich die Richtung nimmt, die mir schon vor über zwanzig Jahren klar war, und mich daher heute weit weniger überrascht, als man glauben könnte. Egal, ob du Bücher schreibst, auf einer roten Wiese in Friesoythe tanzt oder der nächste Dalai Lama wirst – für mich bleibst du einfach nur, was du schon immer warst: Ein Freund, der immer einen Platz in meinem Leben haben und mir immer am Herzen liegen wird. Oder um es mit den Worten eines anderen Künstlers unserer Vergangenheit zu sagen, dessen Album ich heute aus besagtem Saturn mit nach Hause genommen habe : Stuck on you.

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