R.I.P.

Veröffentlicht: 1. September 2010 in Uncategorized

Wie sehr wir noch über dich geschmunzelt haben, als meine Nichte, ihr Freund und ich mit dir Stunden vorher durch die Stadt liefen und uns auffiel, dass du deine langen Beine ganz unkoordiniert hinter dich schmisst, wenn du aus dem Gehen ins Laufen kamst. Du sahst aus wie ein Storch im Salat. Wie sehr haben wir am Samstag, als das Hochwasser bei meiner Schwester den gesamten Inhalt des Kellers zerstört hatte, du uns aber dadurch, dass du dich schütteltest und fast umfielst,amüsiert und über deine zuckersüße Art gelacht.

Als wir zuhause ankamen und ich den Garten für dich öffnete, dich laufen ließ und im Arbeitszimmer verschwand, weil ich ja noch ach so wichtige Dinge zu erledigen hatte und unruhig wurde, weil ich sicher 15 Minuten nichts von dir gehört hatte.

Ich ging ins Wohnzimmer und sah dich auf der Veranda liegen. Fast so, wie du dich immer in der Sonne aaltest, als diese gnadenlos auf den Garten niederbretterte. Doch diesmal nieselte es und das machte die Szene so skurril, denn du hasst Regen. Ich hätte dich nicht mit Geld und guten Worten aus dem Auto bekommen, wenn es regnet. Ich hätte das Auto sogar anzünden können, du wärst drin geblieben. Nichts hätte meinen kleinen Zuckerpo dazu bekommen sich ins regnerische Nass zu begeben.

Es war klar, dass etwas nicht stimmen konnte. Deine viel zu großen Ohren, die mich oft schon haben glauben lassen, ob du nicht doch eine Fledermaus wirst, hingen traurig in dein Gesicht, diese liebe, vor Zärtlichkeit strotzende Gesichtchen, wie sie es immer dann taten, wenn du traurig oder müde warst.

Ich lief sofort zu dir, stellte fest, dass du nicht mehr atmetest. Deine Schleimhaut war ganz weiß, deine Augen schreckgeweitet. Fast so, als wolltest du mich anflehen dir zu helfen. Ich habe versucht dich zu beatmen und bemerkte erst spät das Blut, das dir in einem leisen Rinnsal aus Maul und Nase lief. Sofort hob ich dich auf und bemerkte, wie dein kleiner, athletischer Körper schlaff in meinem Arm hing.

Sofort legte ich dich in deinen Reisekorb, auf deinen Lieblingspulli, den du immer so an mir geliebt hast. Auf dem Sprint zum Auto, ich will gerade die Autotür aufmachen, bemerke ich die Blutstropfen, die auf dem Asphalt immer mehr wurden.

Wie eine Besengte rase ich in die Tierklinik. 30-, 40 Mal donnere ich mit der ganzen Faust auf die Klingel und stürme die Praxis.

„Mein Welpe atmet nicht mehr!!!“. Die Tierärztin packt dich im Nacken und zieht dich aus dem Korb. Am liebsten hätte ich ihr eine gescheuert, weil sie so unsanft mit dir umging. Sie legt dich auf den Untersuchungstisch, nimmt ihr Stethoskop, kultiert dich aus und schüttelt den Kopf. „Da kann ich nichts mehr machen.“

Ich bin mir sicher, dass ganz Osnabrück in diesem Moment von deinem Tod erfahren hat, denn meiner Kehle entfährt ein ohrenbetäubendes, in der Praxis in den Ohren tausendfach widerhallendes NEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEIN!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

Ich kann es nicht fassen. Immer wieder muss ich dich berühren, dich streicheln, meine Nase in deinem Fell vergraben. Erst als ich deinen toten Blick sehe, registriere ich, dass du tatsächlich nicht mehr da bist. Schnell hole ich meinen Pullover aus dem Korb. Ich weiß doch, dass du so schnell frierst. Als mir die Ärztin sagt, dass ich mich für eine Urne entscheiden muss und mich bittet ihr dich zur Kühlung zu übergeben, bitte ich sie, dich zumindest in dem Pullover eingewickelt zu lassen. Wenn dir sonst Nachts kalt war, hast du dich mit deinem Pummelpo ganz eng zu mir unter die Decke gekuschelt, oder dich unter mein TShirt geschmuggelt.

Heute Nacht, mein wundervoller Schatz, kann ich dich nicht wärmen. Ich konnte dich nicht schützen vor der Biene, die dich in die Zunge stach und die Schuld an deinem qualvollen Erstickungstod war.

Ein letztes Mal streichle ich dir über dein zartes Fell, flüstere dir ins Ohr, dass ich dich liebe und dass du mich mehr als alles andere glücklich gemacht hast. Ich drehe mich um, verlasse die Praxis und fange im Auto das erste Mal seit 11 Jahren bitterlich an zu weinen.

Als ich mein Auto vor dem Haus parke und aussteigen will, sehe ich das Blut auf dem Asphalt. Grausame Gewissheit…

Die Wohnung ist still, leer und steril ohne dich. Dein Körbchen, das auf dich wartet, der angenagte Ochsenziemer, Sterni, dein Kuscheltier, zernagt und traurig, das alles liegt hier ohne dich. Wartet. Der Daseinsberechtigung entzogen. Ich sitze auf dem Sofa. Ohne dich. Niemand, der seinen Rücken an mich quetscht.

Jule, ich werde dich immer, immer lieben. Niemals werde ich diese wundervollen Wochen vergessen, die uns vergönnt waren. So oft, wie ich über dich lachen musste, manchmal auch schimpfen, aber immer mit einem Lächeln im Mundwinkel. Was mir ein wenig Trost gibt, ist ein Satz von einer Freundin, die mir sagte, dass du hier bei mir sehr geliebt wurdest und dass du bei mir den Hundehimmel erlebt hast.

Ich hätte dich so gerne beschützt, mein wundervoller Schatz. Was mache ich nur ohne dich… Wie soll ich je wieder ohne dich einschlafen können????

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Kommentare
  1. Sandy sagt:

    Oh Danni es tut mir so leid und ich kann den Schmerz in deinen Worten spühren und verstehen. In Gedanken bin ich heute bei Euch zwein.

  2. Frauke sagt:

    Hallo Dani,

    noch immer weiß ich nicht so richtig was ich sagen soll. Mir fehlen einfach die Worte. Vor ein paar Tagen noch habe ich mit ihr gekuschelt, gekämpft, geschimpft, gelacht und mich auf ein nächstes Mal gefreut.
    Ich bin für Dich da, wenn Du irgendwas brauchst. Meld Dich bei mir. Tag und Nacht!

    Sie hat es sehr, sehr gut bei Dir gehabt. Jule hatte ein tolles und sehr erfülltes Hundeleben gehabt…

    Drück Dich
    Frauke

  3. Jana K. sagt:

    Hallo Daniela!

    Ich weiß nur zu gut, dass in einer solchen traurigen Sekunden, Minuten, Stunden tröstende Worte ein wenig helfen können. Doch kann ich nir sagen:
    „Erinnerungen sind kleine Sterne, die tröstend in das Dunkel unserer Trauer leuchten“.
    Es tut mir wahnsinnig leid, dass dein Liebling Jule so früh gehen musste! Doch sie hatte es so gut bei dir und wird dafür auch im Hundehimmel ewig dankbar sein.

    „Ein kleiner Engel kam, lächelte und kehrte um“.

    Ich bin in Gedanken bei Dir!

    LG Jana

    • Oh Gott, Jana, der Satz: „Ein kleiner Engel kam, lächelte und kehrte um.“ lässt mich Wasserfälle weinen. Aber schöner hätte es kein Satz formulieren können. Danke dafür!!!

      Danke auch für die vielen, vielen SMS, Anrufe und Besuche. Bitte seid nicht böse, wenn ich nicht aufmache.
      Es tut mir unendlich gut zu hören, wie wichtig euch Jule war, egal ob ihr sie persönlich kanntet, oder ob sie euch hier im Blog so nahe gekommen ist. Bitte postet, was eure schönste Erinnerung an Jule ist. Tröstlicher ist kaum etwas anderes für mich.

      Was ist euer schönster Gedanke an Jule???

  4. Birge sagt:

    „Dein junges Herz hat aufgehört zu schlagen.
    So plötzlich und unfassbar früh.
    Was wir fühlen, kann mit Worten niemand sagen.
    Vergessen werden wirst Du nie.“

  5. Conni HRO sagt:

    Du hast das erste Mal bedingungslose Liebe kennengelernt und noch oft wirst Du einfach heulen…bei Kleinigkeiten die der Hundealltag mit Deinem verschmelzen ließen.
    Du läufst weiter, aber irgendwie ist es zum Anfang wie nach einem Betäubungsschuß.
    Sei gedrückt und behalte alle schönen Momente im Kopf und spiele sie Dir immerwieder vor…

  6. barbara sagt:

    Was man tief in seinem Herzen besitzt,
    kann man nicht durch den Tod verlieren.

    Joh. Wolfgang v. Goethe

    Tapfere Tinkerbell,, sie wird immer ein Teil deines Herzens bleiben, der Schmerz wird milder werden und du wirst mit einem zärtlichen Lächeln an die wunderbare Zeit mit ihr denken und dankbar sein dafür, dass du sie lieben durftest und für die unendliche Liebe und das Glück, das sie dir geschenkt hat.

  7. seabass sagt:

    Eine Leihgabe

    „Ich werde dir für eine Weile diesen Hund leihen“, sagte Gott.
    „Damit du ihn liebst, während er lebt und damit du um ihn trauerst, wenn er gegangen ist.
    Vielleicht für zwölf oder vierzehn Jahre, oder vielleicht auch nur für zwei oder drei.
    Aber wirst du, bis ich ihn zurückrufe für ihn sorgen?
    Er wird dich mit all seinem Charme erfreuen.
    Und sollte auch sein Aufenthalt kurz sein, wirst du dich immer an ihn erinnern,
    auch in deinem größten Kummer.
    Ich kann dir nicht versprechen, dass er bleiben wird, weil alle von der Erde wieder zurückkehren.
    Aber es gibt Dinge, die hier gelernt werden, die dieser Hund lernen soll.
    Ich habe um die ganze Welt geschaut, um einen geeigneten Lehrer zu finden.
    Und von allem Volk, das sich auf der Erde tummelt, habe ich dich gewählt.
    Nun wirst du ihm all deine Liebe geben, nicht das Unvermeidliche scheuen,
    noch mich hassen, wenn ich komme um ihn zurückzuholen?
    Ich liebte es, wenn sie sagten: „Mein Gott, dein Wille geschehe!“
    Trotz all der Freude, die dieser Hund dir bringen wird, gehst du das Risiko von großem Schmerz ein.
    Wirst du ihn mit Zärtlichkeit aufnehmen, wirst du ihn lieben, während du darfst,
    und für das Glück, das du kennen lernen wirst für immer dankbar sein?
    Aber sollte ich ihn viel früher zurückrufen, als du rechnest,
    bitte trage tapfer den bitteren Schmerz der kommt und versuche zu verstehen.
    Erinnere dich daran, als du ihn mit deiner Liebe umhegen konntest,
    halte jeden Moment eures vertrauten Bandes fest und sei sicher:
    Er liebte dich auch“

    (Autor unbekannt)

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