Sarrazin – Amor elegantiae pater

Veröffentlicht: 7. September 2010 in Cosmopolitische Überlegungen

Ich bin mir sicher, mit diesem Artikel ganz bestimmt nicht den Nerv aller zu treffen und doch ist es mir ein großes Anliegen dazu Stellung zu beziehen.

Thilo Sarrazin hat in den vergangenen Wochen sehr viel Staub aufgewirbelt und die Frage nach freier Meinungsäußerung auf eine harte Probe gestellt. Sicherlich hat nicht jeder von euch jeden seiner „feingeistigen Momentaufnahmen“, wie ich sie vorsichtig nennen will, nachgelesen und kennt nur das, was die Presse polemisch in alle vier Himmelsrichtungen hinausposaunt.

Selbstverständlich bin ich in vielen Punkten nicht seiner Ansicht, muss mich aber trotzdem schützend vor ihn stellen, denn wir greifen hier einen Mann an, der nicht anderes tut, als seine Meinung zu äußern. Dass die Meinung vielen, unter anderem mir, nicht schmeckt, ist jedermanns eigene Sache.

Ich finde es nicht in Ordnung in einem ach so fatalistisch demokratischen Staat zu leben und doppelzüngig mit dem Thema freie Meinung umzugehen. Warum ist es in Ordnung einen Sarrazin zu verteufeln (wobei ich mir sicher bin, dass er genau diese Reaktion bewirken wollte, denn nur so verkauft sich sein Buch gut), wir aber auf der anderen Seite noch immer nicht darüber nachdenken den Papst zu steinigen, weil er noch immer Kondome in Afrika als Todsünde propagiert?

Ist ein Mann, der Tod und Elend durch das offene Stehen zu seiner Meinung fördert, ehrenvoller, als ein Mann, der behauptet:

„Wir werden auf natürlichem Wege durchschnittlich dümmer“? Ganz ehrlich, diesbezüglich finde ich, er hat recht. Überhaupt will ich mich mal ganz weit aus dem Fenster lehnen und zu einigem seiner Äußerungen Stellung beziehen.

<<Es gebe „eine unterschiedliche Vermehrung von Bevölkerungsgruppen mit unterschiedlicher Intelligenz“, sagt Sarrazin. Intelligenz werde von Eltern an Kinder weitergegeben, der Erbanteil liege bei fast 80 Prozent.>>

Meiner Meinung nach nicht unbedingt ein empirischer Handkantenschlag, sondern faktisch nicht unrichtig!

<<Den Griechen stehen die Schulden bis zum Hals. Während Deutschland und die Europäische Union den klammen Griechen Kredite in dreistelliger Milliardenhöhe zusichern, hat der Aufreg-Politiker und Bundesbank-Vorstand so seine Zweifel: „Mir ist nicht klar, wie ein Land mit einem derartigen Schuldenberg dauerhafte Perspektiven haben soll“>>

Jupp, sehe ich genau so!

<<Bis sich der Bundesbank-Vorstand mal wieder über seine eigene Sicht der Berliner (Bildungs-)Verhältnisse äußerte und gegen Eltern, die ihren Kindern Fernseher in die Kinderstube stellen, ausholte: „In Wedding steht in 45 Prozent der Kinderzimmer ein Fernseher, in Westend nur in 4,5 Prozent.“ In Wedding gäbe es darüber hinaus eine höhere Quote an Fettleibigkeit. Klare Ansage: Wer weniger TV schaut, der isst auch weniger – ein logischer Kausalzusammenhang und ein deutlicher Sarrazin.>>

Gehe ich wieder konform!

<<Zum Programmentwurf der Linkspartei äußerte er sich jüngst folgendermaßen: „Das ist eine Ansammlung von verstaubten Asservaten aus dem ideologischen Museum.“>>

Ewiggestrige sind, egal ob rot oder braun, nicht akzeptabel. Sehe ich genau so!

<<Für den Euro sieht Sarrazin keine Gefahr: „Das hat mit dem Thema Währung nichts zu tun. Dass General Motors in die Insolvenz gegangen ist, hat den Dollar nicht beeinträchtigt. Wieso soll es den Euro beeinträchtigen, wenn Griechenland mit 300 Milliarden Euro insolvent geht?“>>

Touché!

<<„Wenn die Hausaufgaben nicht gemacht werden, dann wird eben das Kindergeld um 50 Prozent gekürzt“>>

Schwachsinn! Wo geht da die Kontrolle los und ab wann müssen wir das Gremium Gestapo nennen? Totaler Quark!

<<„Wenn die Energiekosten so hoch sind wie die Mieten, werden sich die Menschen überlegen, ob sie mit einem dicken Pullover nicht auch bei 15 oder 16 Grad Zimmertemperatur vernünftig leben können.“>>

…sagt einer, der in seiner schicken Dienstwohnung ganz sicher NICHT friert!

<<„Ich rate der Bundeskanzlerin, sich mal im stillen Kämmerlein einzuschließen, zwei Tage ruhig nachzudenken und sich zu überlegen, was sie wirklich will – und das dann auch durchzusetzen“>>

Yeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeees!!!

<<Sarrazins Thesen zu einem angeblichen Gen, das sich „alle Juden teilen“.>>

Gefährlich und absolut irre, sowas so zu formulieren und zu denken. Beginnen wir dann morgen alle zu deportieren, die eine Hemiparese haben? Dann wäre Sarrazin der erste!!!

<<„Hartz IV Empfänger sind häufig zu Hause, haben es gerne warm, und regulieren die Zimmertemperatur oft mit dem Fenster.“>>

Spricht er da aus Erfahrung oder woher nimmt er so einen Schwachsinn???

<<„Kalt duschen ist doch eh viel gesünder. Ein Warmduscher ist noch nie weit gekommen im Leben.“>>

Ich dusche wahnsinnig gerne heiß – und so ganz unerfolgreich bin ich auch nicht, oder?

<<„Ihr seid alles Arschlöcher.“ (Zu protestierenden Studenten, die im Herbst 2003 sein Büro besetzt hatten)>>

Eine menschliche Geste, die allerdings keiner öffentlichen Person zusteht. Sowas ist ein absolutes NO GO!

<<„Je niedriger die Schicht, umso höher die Geburtenrate.“>>

Das geht schon krass in Richtung Mengele. Pfui!

<< „HERR FRIEDMAN, HEUTE WAREN SIE EIN ARSCHLOCH!“>>

Seine freie Meinung. Der sinngemäße Kommentar des Bild-Kolumnisten Henryk M. Broder: „Sarrazin hat Unrecht. Friedman ist kein Arschloch, er ist en selbstverliebtes Riesenarschloch.“ Warum regt sich niemand darüber auf?

(Original: „Thilo Sarrazin hat gesagt, Michel Friedman wäre ein Arschloch. Weil ein Mann von Welt ein Kompliment, das ihm gemacht wurde, nicht für sich behalten kann, rennt Friedman zur BILD-Zeitung und erzählt ihr, was Sarrazin über ihn gesagt hat. Die macht daraus eine Titelgeschichte. Jetzt wissen fünf Millionen BILD-Leser, dass der Sarrazin den Friedman ein Arschloch genannt hat. Das ist nicht nett und, wie unsere Kanzlerin sagen würde, überhaupt nicht hilfreich. Und außerdem stimmt es nicht. Friedman ist ein selbstverliebtes Riesenarschloch. So, das musste mal gesagt werden.“)

Quintessenz:


Sarrazin ist kein Sympathisant, kein Filantrop. Er ist ein Realist, ein Analytiker, ein Polarist und ein sehr guter Verkäufer. Oder meint ihr echt, sein Buch hätte sich ohne diese Presse so gut verkauft???

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Kommentare
  1. Sandy sagt:

    Deiner Sicht der Dinge hat mich zum Nachdenken angeregt das Thema von zweierlei Seiten zu sehen. Danke.

    Mit deiner Meinung zum Papst gehe ich konform. Schön dass andere es genauso sehen.

    Vielleicht solltest du auch einen Skandal heraufbeschwören um dein Buch besser zu verkaufen… ;)*Scherz*

    LG

    • AU JA!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

      Ich persönlich wäre für die Schlagzeile:

      „SKANDAL!!! Daniela Matijevic schwängert Gisele Bündchen!!!“

      Wie wäre das??? 😉 Obwohl, es gäbe da jemand, den ich lieber schwängern wollen würde…

  2. Ulrike sagt:

    Aha??????????!!!!!!!!!!!!!!
    Und das erfahre ich hier so nebenbei in deinem Blog????? L+Ä+C+H+E+L

  3. Dagmar sagt:

    laufe Konform!

  4. Ste sagt:

    Voilà! Schön, dass Du ausgesprochen hast, was sich sicher so mancher denkt!

  5. barbara sagt:

    Sarrazin will sicher provozieren, aber in vielen Punkten gebe ich ihm recht. Solange unsere Politiker in gut beheizten und bewachten Häusern leben, in komfortablen Dienstwagen mit Chauffeur durch die Gegend kutschiert werden (und das nicht nur dienstlich ;-)), mit fetten Pensionen aussteigen, kriegen sie weder die Stimmung im Volk mit noch begreifen sie, in was für ein Wespennest ein Sarrazin sticht…. und die schwachsinnige Polemik hilft ihnen nicht einen Schritt weiter. Erst denken, dann reden und endlich handeln…

  6. Frauke sagt:

    Bezüglich Sarazzin muss man natürlich immer von mehreren Seiten schauen.

    Ich beschreibe mal meine Beobachtungen des letzten Wochenedes bezüglich des Themas.

    Generation Eltern.

    Meine Eltern hatten eine Unterhaltung mit einem befreundeten Paar. Thema Sarazzin und seine Ansichten. Ich bin ja schon groß und darf deswegen an solchen Unterhaltungen teilnehmen.
    Ich muss kurz erläutern, dass meine Eltern und auch sicher das befreundete Paar von Eltern großgezogen wurden, die in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts erzogen wurden und dem entsprechende Wertvorstellungen weitergetragen haben. Hierbei sei angemerkt, dass ich nicht nationalsozialistisches Gedankengut meine, sondern das zu der Zeit für allgemeingültig erklärte Denken. Somit wurden in den 60er/70er Jahren des letzten Jahrhunderts viele Menschen noch recht streng erzogen und subtil ein allgemeines Menschenbild vermittel.
    Nun, ich durfte in dieser Unterhaltung also beobachten, dass diese Generation von Menschen Herrn Sarazzin durchaus zugestimmt haben. In so gut wie allen Punkten. Mich hat das ganz noch nicht einmal gewundert, denn wenn man als Kind lernt, dass Ausländer eher nicht so willkommen sind und man mit dem Türkenkind halt nicht spielen sollte, dann wundert mich nicht, dass man als älterer Mensch zwar total tolerant ist, aber irgendwie im Hinterkopf der Gedanke schon noch verwurzelt ist. Es sei aber noch gesagt, das keine der anwesenden Personen nun will, dass ein Ausländer des Landes verwiesen, sondern vielmehr, dass die Integrationspolitik verbessert wird. Ich glaube hier geht es vorallem darum, dass sich besonders in dieser Generation ein Land in der eigenen Kultur beraubt fühlt.

    So, nun gehen wir mal ein eine ganz gegenteilige Generation.

    Die Generation heute Jugendlich.

    Am nächsten Tag saß ich mit einigen Freunden meiner Schwester im Wohnzimmer und durfte an einem Gespräch teilnehmen, dass in etwa das gleiche Thema enthielt. Auch hier durfte ich beiwohnen, weil ich noch nicht alt genug bin, dass ich ausgeschlossen werde. Der Unterschied zu dem anderen Gespräch. Die Teilnehmer waren sich mit nur einem Satz sicher es präzisiert zu haben und damit war es dann beendet.

    „Der Sarazzin hat einen Schaden und soll die Klappe halten.“

    Das führe ich nun darauf zurück, dass diese Jugendlichen fast frei von einer Last sind, die die andere genannte Generation noch zu tragen hatte. Im Übrigen durfte die andere Generation das lateinische Wort dux (Führer/Anführer) noch nicht mit Führer übersetzen, was heute allerding gang und gäbe ist, um hier einfach mal zu verdeutlichen, dass wirklich unterschiedliche Eindrücke in der Erziehung gewonnen werden.
    Diese Jugendgeneration ist frei davon. Sie dürfen mit den Türkenkindern spielen (ich bin kein Rasist, das will ich kurz festhalten, bin ich ja selbst Kind mit türkischen Vorfahren, die ich nie kennengelernt habe), sie sind in Deutschland geboren, nicht mehr in Westdeutschland, kennen Krieg nur aus dem TV, nicht mal mehr aus den Erzählungen von Opa und Oma, haben den Mauerfall nicht erlebt und die DM kennen sie auch nur noch, wenn überhaupt, schemenhaft.
    Kurz, sie kennen nur eine gut funktionierende Demokratie, die sozialschwachen Familie hilft, in der sie sagen dürfen was sie wollen und leben in einem Land, in dem sie nicht unterdrückt werden und sich nicht verstecken müssen.

    Kurz gesagt: Meine Mutter wurde in eine Pflegefamilie gegeben, weil ihr Großvater das Kind eines Türken nicht im Hause haben wollte und meine Schwester ist mit einem jungen Herrn zusammen, der türkischer Herkunft ist. Die Zeiten haben sich also geändert. Was früher nicht mehr möglich ist, ist heute völlig normal.

    Dann kommt ein Sarazzin und sticht in ein Wespenest und sagt was er denkt. Ich stimme Dir zu, Meinungsfreiheit sollte hier gewahrt werden. Sarazzin hat das Recht zu sagen was er denkt und Punkt! Ich glaube aber, dass er nicht allgemein die Meinung der Deutschen vertritt. Ich glaube, dass er vorallem die Meinung derer vertritt, die in seine Generation und in die Generation, die er noch erzogen hat.

    Klar muss sich Frau Merkel mal ein paar Gedanken machen, klar muss die Politik runder laufen, aber vorallem muss man mal schauen, was nachfolgende Generationen wünschen und nicht was die Erwachsenen wollen, denn die müssen nicht mehr so lange mit den Konsequenzen dessen leben.

    Ich denke, dass die Welt allgemein auf einem Pulverfass sitzt.

    Was auch immer Herr Sarazzin von sich gibt, wenn es einem nicht passt, dann muss man nicht zuhören. Und NEIN, das hat nichts mit wegschauen zutun, sondern mit der Freiheit, dass man sich die Meinungsfreiheit anderer nicht antun muss, das ist dann die Freiheit auf Unversehrtheit und die ist jawohl auch geistig gemeint oder? ;o)

    Lasst ihn reden und gut ist. Wenn sich einer angegriffen fühlt, dann schmeißt er ihm schon ein faules Ei an den Kopf und gut ist. Hat Herr Kohl ja auch mal erleben dürfen. Letztlich sollten wir nicht in einer Prügelgesellschaft leben.

    Ich finde viel schlimmer, wenn ein Außenminister über Hartz IV Empfänger lästert, denn er hat in der Tat leider was zu sagen und kann gefährlicher werden als Thilo Sarazzin.

    Und Michelle Friedmann ist nicht nur ein selbstverliebtes Riesenarschloch, sondern auch eine Petze. Als Kind hätten ihm die Kinder folgendes hinterhergeschrien und mit dem nackten Finger auf ihn gezeigt (was sich laut Elterntadel ja nicht schickt): „Petze, petze ging in Laden, wollt ein Stückchen Käse haben, Käse, Käse ham wa nicht, Petze, Petze ärgert sich!“
    Kinder lösen Konflikte halt noch kreativ, einfach und effektiv…der hätte nie wieder gepetzt…

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