Viva Espana!!!

Veröffentlicht: 30. September 2010 in Unmögliche Situationen

WOW!!! Aus dem Flugzeug steigen und sofort 26 Grad warme Mittelmeerluft schnuppern. Herrlich!!! So fängt der Urlaub gut an!

Meine Freundin und ich landen gegen 21h in Malaga und sind begeistert von der Stadt, die in einem sinnraubend schönen Lichtermeer vor uns liegt. Schnell das Gepäck aufgeladen und ab zum Schalter der Autovermietung. Und hier beginnt der Spass, der uns am Ende des Tages vor Lachen fast zusammenbrechen lässt. Aber los gehts am Flughafen:

Eine übel gelaunte Spanierin mittleren Alters, die eine unvorteilhafte Bluse mit dekorativen Schweißflecken unter den Armen trägt, brummt uns ein gelangweiltes „Ola“ entgegen. Ihre gekrümmte Sitzposition entblößt einen fiesen Speckbauch, auf dem die Schweißperlen fröhlich mit denen auf ihrer Oberlippe um die Wette glitzern. Sofort wird mir mein eigener Waschbärbauch bewusst und ich ziehe ihn geistesgegenwärtig ein. Meine Freundin schaut etwas irritiert, als mein Kopf vor lauter Bauch-Einziehen hochrot anläuft. Ok, atmen Daniela, wenn du jetzt bewusstlos wirst, sieht jeder nicht nur ihre, sondern auch deine Wampe.

Die Autovermieter-Grummelfrau weist uns einen Yaris zu und erklärt uns in dem lieblosesten Englisch, dass mir bis dato begegnet ist, wo in etwa (wie sich später rausstellen sollte, hatte auch sie nur eine Vermutung) unser Leihwagen steht. Ein eilig rausgerülpstes „Asta Luego“ entlässt uns in die Tiefgarage.

Meine Freundin M. und ich packen unsere Klamotten zusammen und starten zum Auto. Eine ca. 1km mal 100m große Tiefgarage lässt uns verzweifelt nach dem Yaris suchen. 2 Stockwerke und 1 Stunde später stehen wir tatsächlich vor dem Wagen und können uns das Grinsen schon nicht mehr verkneifen. Muss witzig ausgesehen haben, wie die doofen Deutschen ihr Gepäck spazieren tragen. Immer und immer wieder…

Sachen verstaut und festgestellt, dass der Toyota mehr Macken hat als Inge Meysel nach einem Treppensturz. Bloß wohin mit dieser Information. Am besten fahren wir mal zum Rückgabeschalter der Vermietung. Leider, leider, leider springt der Wagen aber nicht an. Ich versuche es zigmal, doch der Wagen will mir einfach nicht gehorchen. Kaum sitzt M. am Steuer, schnurrt der hinterhältige Drecksmotor wie ein Kätzchen. Na gut. Sei mal verziehen. Wenn ich ein Auto wäre, würde ich auch darauf warten, dass M. statt meiner zärtlich die Kupplung drückt.

Ich fahre zu dem Schalter, steige aus und erkläre dem Mitarbeiter, ein gemütlicher Spanier mittleren Alters mit akkurat geschnittenem schwulen Oberlippenbärtchen, wo der Wagen überall Macken hat und dass die nicht von den 2,5 Metern seit der Parklücke stammen. Der spanische Don Juan für Gesichtsbehaarung schaut uns gelangweilt an und erwidert gelassen: „You want to hire the car or you want to buy the car???“

Alles klar. Hier scheinen die Uhren anders zu ticken. Die deutsche Geschäftigkeit in mir wollte korrekterweise alle Mängel festhalten. Der Mann mit der Gesichtsmuschi macht mir klar, dass ihm das ungefähr so wichtig ist, wie ein Stock im Auge.

M. und ich fahren los und bewundern während der Fahrt die sagenhaft schöne Gegend, die selbst im Dunkeln sehr vielversprechend aussieht. Als wir schlussendlich in dem Ort mit unserem vermeintlichen Hotel ankommen, sind wir beide schon ziemlich groggy. In der Strasse, die uns unser Navi als richtig anzeigt, liegt unser Hotel – Cabo de Gata. Leider, leider, leider sind in selbiger Straße 3 (D R E I ! ! !) Hotels mit demselben Namen. Das erste ein Nobelhotel mit tollem Ambiente. Das mittlere ein schickes Trendhotel mit einer edlen Lobby. Das dritte ist ein besseres Backpackerhotel mit fließend Wasser.

Ich versuche auszuschließen, dass Hotel Nummer 3 unseres sein könnte und betrete mit M. selbstbewusst und all unserem Gepäck Hotel Nummer 1. Die Dame an der Rezeption begrüßt uns freudig und checkt ihre Liste. Leider findet sie uns nicht darauf und wir werden in Hotel Nummer 2 geschickt. Ok, Gepäck ins Auto schleppen, die 75 Meter rüberfahren. Ich merke, wie mein Puls nach oben geht und mir der Kamm schwillt.

Auch dieser Portier findet uns nicht und bittet uns in Hotel Nummer 3 nach Unterkunft zu ersuchen. Fassungslos stolpern wir zum Auto. Bepackt mit mittlerweile gefühlten 7 Tonnen Gepäck. In Hotel Nummer 3 geht die Tür nicht von selbst auf. M. und ich stemmen uns mit unserem ganzen Körpergewicht dagegen. Wobei ich sicher bin, dass nicht ihre 50 Kilo den Ausschlag gegeben haben, warum sie sich dann schlussendlich doch mit einem Ächzen öffnete. 😉

Der „Portier“ in Hotel Nummer 3, ein ungepflegter Dauerstudent mit einem Mundgeruch, der einem die Netzhaut ablöst, teilt uns in gebrochenem Englisch mit, dass wir bei ihm nicht richtig seien. Wir müssten in Hotel Nummer 2 einchecken, da dieses Hotel am Sonntag schließen würde. Ich bin sauer. Also, ich meine nicht ein wenig grantig, ich meine SAUER!!! Grußlos stampfe ich aus der Lobby und gebe der Schwingtür einen Schubs, die sie in einer Geschwindigkeit schwingen lässt, die sie sicher noch nie erlebt hat.

Angekommen in Hotel Nummer 2 sagen wir dem Portier, was uns der Spacken aus Hotel Nummer 3 gesagt hat. Der Mann checkt erneut seine Liste und schüttelt den Kopf. Nein, hier wären wir nicht richtig. Langsam wandelt sich meine Wut in ein hysterisches Kichern. Voller Hoffnung sage ich: „You are joking! Please tell me you are joking!!!“

Er schüttelt wieder den Kopf. Nein, wir wären definitiv in Hotel Nummer 3 richtig. Er könne nichts für uns tun. M. und ich wanken zurück zum Auto und verfallen in einen sagenhaften Lachkrampf. Wir lachen wie die Irren und sind sicher, dass jeder der Hotelgäste, der jetzt aus dem Fenster schauen würde, denken müsste, dass wir 3-5 Flaschen Korn zuviel getrunken hätten. Wir kriegen uns gar nicht wieder ein vor Lachen und haben Schwierigkeiten uns auch nur ansatzweise am Riemen zu reißen. Mittlerweile bin ich überzeugt, dass uns eine versteckte Kamera filmt. Solche Dinge passieren doch einfach nicht…

In Hotel Nummer 3 angekommen erklären wir die Situation, ernten ein genervtes: „My collegue is an idiot.“ und bekommen tatsächlich einen Zimmerschlüssel.

Das Zimmer ist erstaunlich super, aber wir würden uns auch in einem Zelt wohlfühlen, von dem wir zwischenzeitig gedacht hatten, dass man es uns an der Rezeption in die Hand drückt und uns auf dem Parkplatz kampieren lässt.

Lange noch kichern wir albern vor uns hin, bevor wir in einen Tiefschlaf von Dornröschen-Qualität verfallen. Der Spaß des nächsten Tages lag vor uns. Soviel nur:

Die Spanier scheinen 7 Stunden am Tag Siesta zu machen und kulinarisch suchen wir vergeblich nach Geschmack. Aber das soll ein anderes Mal erzählt werden.

Viva Espana!!!

Post scriptum: Kleiner Nachtrag! Das soll KEINESFALLS ein Affront gegen Spanien sein. Ganz im Gegenteil! Es war ein phantastischer Urlaub in einem sensationell schönen Land.

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Kommentare
  1. Susanne H. sagt:

    Wie immer schaffst du es, einem ein lachen zu entlocken….
    Auch wenn dieser Urlaubsbeginn nicht gerade ein Traumstart in eine erholsame Zeit ist, ist er auf jeden Fall sehr unterhaltsam!!!

    • Micha sagt:

      Hola Dani,

      es ist eben Spanien – da MUSST du die deutsche Mentalitaet im Flieger lassen sonst gibt es nen Herzinfakt!

      Lachende Gruesse aus Mallorca,

      Micha

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