Bore me please!

Veröffentlicht: 18. Oktober 2010 in Uncategorized

Liege im Bett, habe nicht unerheblich Fieber und mache mir den Spaß einen Film zu schauen, der schon seit Jahren in meinem Regal vor sich hinstaubt. Heute ist der ideale Zeitpunkt, sich dem zu widmen.

Fiebrig (39,6 Grad), entspannt und wie mir scheint ein wenig im Fieberwahn, finde ich die Anfangsmusik schon sehr amüsant.

„Bang, bang, he shot me down, bang, bang, lie on the ground…“ Alter Schwede, ich wünschte, ich wüsste, wie es ist bekifft zu sein, nur dann würde ich verstehen, wieso er diesen Song als Anfangsmelodie gewählt hat.

Uma Thurman kriegt volles Pfund ein Tischbein ans Knie gezimmert, ihre Kontrahentin wird von selbiger 48-Kilo-Frau mit voller Wucht ins Geschirrregal gepfeffert. Beide springen auf wie Bambi auf Koks und widmen sich der kleinen Tochter, die soeben das Szenario betreten hat. NA KLAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAR!

Ich würde ebenso cool reagieren, wenn meine Mutter mit zerschnittenem Gesicht und zerdeppertem Inventar fordern würde, dass „ich ein wenig in meinem Zimmer spiele“.

„Willst du einen Kaffee?“ wird Uma von der Black Mamba gefragt. Viel mehr wünschte ihre Kontrahentin, sie wäre die Black Mamba. Oha, das klingt alles so irre, dass ich ernsthaft fürchte, dass sich mein Fieber auf knappe 42 Grad erhöht hat. Kurze Kontrolle, nein, Fieber ist konstant, nur Tarrantino ist wahnsinnig. Also weiter.

Uma ersticht die Mamba, nachdem diese sie mit einem Schuss aus einer Kornflakespackung verpasst hat. Als die kleine Tochter reinschneit, ist es Zeit für den pädagogischen Teil. Gut, dass der Regisseur in dieser Einstellung nur 7 Hektoliter Blut verwandt hat…

Ich frage mich ernsthaft, was T. regelmäßig konsumiert…

Die erste Comiksequenz und ich frage mich ernsthaft, welche Drogen Tarrantino konsumiert, oder ob ich der einzige Mensch der Welt bin, der in „Kill Bill“ keinen gesellschaftskritischen Film sieht, der die Abgründe der menschlichen Seele auf subtil-dominante Weise kontrastreich widerspiegelt. Fuck, nach meiner Meinung ist das ein Splatter, getarnt als semischicker Fetischstreifen.

Die Kampfszenen werden, ich hätte nie gedacht, dass das möglich ist, rabiater. Uma schlägt mit einem Hieb einem erwachsenen Mann den Arm ab, aus dem augenblicklich 23 Liter Kunstblut in alle Himmelsrichtungen spritzen. Ich fange an zu grinsen und stelle mir vor, wie meine Freundin, als passionierte und leidenschaftliche Medizinstudentin, die gleichzeitig Tutorin für Anatomie ist, an dieser Stelle ungläubig den Kopf schütteln würde. Naja, ich glaube kaum, dass die Produzenten zu irgendeinem Zeitpunkt den Anspruch auf Realismus hatten.

Uma wird komatös im Krankenhaus von einem Pfleger als „Wachkoma-Prostituierte“ verkauft und reißt den beiden gehörig den Allerwertesten auf. YEEEEEEEEEEEEEEEES – das kann ich verstehen, Schwester! Sympathie flackert auf…

…und erstirbt gleich wieder, als der Leidensweg der Lucy Liu in Comicform dargestellt wird. Als ein Seufzer theatralisch, aber leider nur gemalt, ihrem Mund entfährt, entschließe ich mich, den Film aus zu machen und lieber ein wenig den Fieberwahn zu genießen.

Kaum mache ich die Augen zu und versuche mich ein wenig gesund zu schlafen, finde ich mich in besagtem Wohnzimmer in Szene Nummer eins wieder:

„Ich hab dich gesucht, Schlampe!“ zischt mir Uma entgegen.

OH NEIN, nicht einmal mehr auf fieberbedingte Halluzinationen kann man sich verlassen und versinke in der schlechtesten Parodie von Tarrantino-Filmen, die es jenseits der 39 Grad Körpertemperatur zu finden gibt. Energisch tauche ich ein in „KILL DANI“ – Untertitel: BORE ME PLEASE…

 

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Kommentare
  1. Sandy sagt:

    „Oha, das klingt alles so irre, dass ich ernsthaft fürchte, dass sich mein Fieber auf knappe 42 Grad erhöht hat. Kurze Kontrolle, nein, Fieber ist konstant, nur Tarrantino ist wahnsinnig. Also weiter.“

    Den Satz finde ich noch am coolsten 😀 Ich geb dir so Recht. Mit Tarrantinofilmen kann ich auch nicht viel anfangen. Es geht immer nur um Sex, Gewalt, Verbrechen und Vergewaltigung. Kranke Phsyche würd ich mal prognostizieren.

  2. Dagmar sagt:

    du, das war mehr als „nur“ fieber! bei solchen erlebnissen kannst du nicht genesen!!!

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