Der einsame Krieg des Michael Martens

Veröffentlicht: 20. Februar 2011 in Uncategorized

(Stellungnahme zum Artikel v. 20.2.2011)

Es ist acht Uhr morgens, als meine Freundin Merle und ich den Frühstücksraum des Kölner Savoy betreten, um die feuchtfröhliche After-Show-Party des „Kölner Treffs“ vom Vorabend mit einem kräftigen Kaffee hinter uns zu lassen. Ich bin mit Michael Martens, Journalist der FAS, zum Interview verabredet. Bereits letzte Nacht, in der Lobby des Savoy, hatte er mir die eine oder andere Frage gestellt. Michael Martens sitzt an einem kleinen Tisch und liest. Ich setze mich ihm lächelnd gegenüber. Er stellt mir seine Fragen und verabschiedet sich dann. Am nächsten Tag schickt er mir das Interview, um die Zitate autorisieren zu lassen. Dies tue ich, ohne die wahre Intention dahinter auch nur zu vermuten.

Eine Woche später, ich sitze gerade in einem Workshop des Verteidigungsministeriums, klingelt mein Handy: eine SMS von Michael Martens, der noch ein paar Nachfragen ankündigt. Die finde ich in meinen Mails, aber es handelt sich weniger um Nachfragen als um in Frageform verpackte Anschuldigungen, die ich direkt an meinen Verlag weiterleite, der sie adäquat beantwortet. Wieder zwei Wochen später, heute, erscheint der Artikel von Michael Martens in der FAS unter der Überschrift „Der grausige Krieg der Daniela M.“. Martens tritt darin mit dem Anspruch auf, er würde „Fakten“ präsentieren, die beweisen, dass es sich bei meinem Buch um „Matijevics Märchenstunde“ handle. Doch sein Artikel besagt letztlich nur, es könnte ja alles gar nicht gewesen sein, was mir passiert sei, niemand habe sich finden lassen, der das „auch nur für wahrscheinlich hält“. Aber die Dinge sind nicht weniger wahr, nur weil Michael Martens es behauptet. Und nur weil drei Leute sich meine Erlebnisse nicht vorstellen können, heißt das nicht, dass sie nicht geschehen sind. „Wen kümmern Fakten, wenn die Story stimmt?“, fragt Michael Martens am Ende seines Artikels. An seine eigene Geschichte hat er dabei nicht gedacht…

Für alle, die den Tenor meines Blogbeitrages nicht verstanden haben: der Artikel ist GELOGEN, nicht meine Erlebnisse!

Es tut mir leid, dass Herr Martens Probleme mit mir als „Lesbe mit Migrationshintergrund“ hat, doch zeigt eben sein vor Hass triefender Artikel, dass seine persönliche Abneigung gegen mich die Intention des Beitrages ist, und keine Behauptungen, die unfundiert in die Atmosphäre geblasen wurden. Er hat in seinem Beitrag gleich 2 Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Er konnte Bettina Böttinger UND mich angreifen. Zwei offen lesbische Frauen.

Und nur weil mich ein Journalist nicht kennt, der 99 im Kosovo war und er sich meine Erlebnisse nicht vorstellen kann, heißt das nicht, dass sie nicht geschehen sind.

Für einen „Beweis“ begründet Martens zu auffällig mit hätte, könnte, müsste. Frei nach dem Motto:

Dort, wo ein stichhaltiger Beweis fehlt, füllt die Lücke ein wortgewaltiger Konjunktiv.

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Kommentare
  1. Alex sagt:

    Was immer am Ende hängenbleibt – eines ist jetzt schon sicher: Lange nicht mehr so etwas Tendenziöses gelesen, wie das, was der M.Martend da abgeliefert hat. Als wäre er NAchkriegsberichterstatter der BW.

  2. Daniel Hopkins sagt:

    Bin ja gespannt, was Deine Stellungnahme wieder für Reaktionen bei meinen Journalisten-Kollegen hervorrufen 😉 Ich find es gut, dass Du Dich der Diskussion stellst und nicht den Kopf einziehst…. Auch von mir: Daumen hoch!

  3. Dr.Pangloss sagt:

    Lass Gut der Freund des Besser sein.

    Dr.pangloss

  4. Frank E. sagt:

    Für mich ist dieser Martens im Zugzwang. Bin gespannt auf seine Argumnete und Beweise und glaube: Die gibt es nicht.

    • Christoph Fuhrmann schreibt:

      Salut!
      Hab den Artikel nicht gelesen, tu’s aber bei Gelegenheit.
      Wir waren beide bei G2 MNBS ab Sommer 99. Ich weiß, daß Du die Dinge, die ich auf Papiere gelesen haben, teilweise real erlebt hast.

  5. Erich sagt:

    Michael Blah Blah (wird eh bald in vergessenheit geraten) denn du hast deine Freunde, Wahrheit, Beweise, Fakten, und noch mehr Freunde auf deiner Seite die zu dir halten! Er hat bloß Eigentore wie „Migrationshintergrund“ und „Lesbe“ die ihn ziemlich unsympathisch machen. Welcher Redaktionschef soll ihn denn noch einstellen wenn er persönlichen Groll, Politisches Statement (NPD), und Intoleranz in seine Artikel nur weil ihm sonst inhaltlich nichts Wesentliches einfällt. Dafür kriegt man in der Schule eine 6! Setzen!

    Das muss nicht sein denn es ist nicht sehr fein. Also nochmal in die Schule für Journalisten.

  6. interessierte sagt:

    Hi Daniela,

    bin durch den FAZ-Artikel und schließlich aus Neugierde hier gelandet. Und obwohl ich den Artikel auch als „mit starker Intention behaftet“ einstufe, fand ich die im Artikel gekennzeichneten Zitate mit gegenübergestelltem Kommentar dennoch „irritierend informativ“.
    Statt der Beschreibung des Interview-Verlaufes hatte ich mir eine Stellungnahme zu den FAZ-Kommentaren hier erhofft.
    Den Hartz IV-Kommentar fand ich z.B. belanglos, da allgemeinsprachlich niemand aus heutiger Sicht eine Unterscheidung zwischen Arbeitslosengeld/Hartz vor und ab 2002 macht.
    Ich würde mich freuen, wenn du die dargelegten Kommentare der FAZ, die dich zu widerlegen versuchen, aufgreifen und erklären resp. widerlegen könntest, da ich vor dem FAZ-Artikel gewillt war dein Buch zu kaufen und nun skeptisch bin.

    Herzliche Grüße und weiterhin viel Erfolg

    • Liebe/r Interessierte!

      Das Buch ist meine ganz persönliche Erzählung. Dabei spielt es keine Rolle, wie der Flughafen hieß. Da wir direkt von dort in das Lager Tetovo kamen, war das für mich der Flughafen Tetovo. Natürlich gab es 99 noch kein Hartz IV, doch als ich das letzte Jahr das Buch schrieb, war dieser Satz „Lieber SaZ 4 statt Hartz 4“ ein gängiger Terminus. Deshalb habe ich ihn, um die Einstellung mancher Soldaten zu verdeutlichen, aufgegriffen.
      Da ALLES, was ich sage und schreibe, mit Argusaugen verfolgt wird und man nur darauf wartet wieder über mich herzufallen, möchte ich mich weiter nicht dazu äußern. Wenn ihr der FAZ glaubt, kauft das Buch nicht. Wenn ihr wissen wollt, wie mein Leben vor allem auch nach der Traumatisierung, hier in Deutschland, weiter ging, denn darum geht es mir ja primär, den Leuten klar zu machen wie PTBS´ler in Deutschland behandelt werden, darum heißt das Buch ja auch „Mit der Hölle hätte ich leben können“, dann lest es.
      Mehr kann und will ich dazu nicht sagen. Bitte habt Verständnis dafür.
      Herzlich,
      Daniela

  7. Udo sagt:

    Wer ist Michael Martens?
    Da will sich doch nur so ein unbekannter Schreiberling einen Namen verschaffen, indem er Tatsachen anzweifelt.
    Er soll doch mal selbst dorthin fahren, oder nach Afganistan, um die Geschehnisse am eigenen Leibe verspühren zu können.
    Aber hierzu fehlt im die Courage!
    Am Schreibtisch, vermutlich bei einer Tasse Kaffee und einer Zigarette, schreibt es sich auch einfacher.
    Hat dieser Mensch denn keine anderen Fähigkeiten oder Möglichkeiten, sich ins gespräch zu bringen???
    Es gibt genug andere Themen um sich zu profilieren.

    Daniela, mach weiter so und lass dich durch solche Banalitäten nicht unterkriegen.

  8. Friederike sagt:

    Aaaaaalso, jetzt muss ich mich auch mal einschalten… Bin vor ca. einer Woche auf diesen Blog aufmerksam gemacht wurden durch eine liebe Freundin. Da ich eine bekennende Leseratte bin und immer offen für Neues, war dieser Blog eine kleine Offenbarung. Einen Menschen zu finden, der so offen und ehrlich Erlebnisse aus seinem Privatleben schildert, und das noch mit Anstand und Humor finde ich toll. Jeder kann schreiben. Die Meisten schreiben aber nur viel Schwachsinn und ohne jeglichen Hintergrund…
    Da ich, wie gesagt eine Leseratte bin habe ich mir schnell das Buch organisiert, nachdem ich eine Leseprobe im Internet gefunden hatte und mehr wollte…
    Ob klare Fakten oder nicht… wer sollte solch grausame Dinge aufschreiben wenn sie nicht so geschehen sind? Zudem, wer mal aufmerksam das Buch gelesen hat, wird feststellen, dass Daniela viele Ereignisse zwar angerissen, aber nicht klar und in allen Einzelheiten ausgeführt hat. Ich denke, zum einen, weil es sehr schwer ist, sich damit auseinander zu setzten, zum Anderen, um die Opfer selbst und ihre Privatsphäre etwas zu schützen und vor allem um auch ein Stück den Leser zu schützen. (Wer das Buch kennt, weiß sicherlich welche Stellen ich meine.) Bei mir kam es so an, dass Daniela hauptsächlich darlegen wollte, wie allein gelassen man wird vom Staat in manchen Situationen, wie missverstanden man sich fühlt, wenn man selbst nicht genau weiß, was mit einem los ist, sich selbst neu finden muss und das Umfeld überhaupt nicht damit klar kommt, dass der Mensch, den sie kannten zwar noch der gleiche und doch nicht ist.

    Ich kann Dich verstehen Daniela! Sowohl hatte ich einen Kollgegen, der im Krieg war und der hatte Tage, da durfte man ihn nicht mal anfassen, weil er einen „Film“ oder wie Du es nennst, „Flashback“ schob/hatte. Zum Anderen habe auch ich eine PTBS.

    Also, Kopf hoch, mach weiter so! Danke für Dein Buch / die ehrlichen Worte. Und wie sagen die Ärzte so schön? „Lass die Leute reden….!“

    In diesem Sinne noch einen schönen Tag! 🙂

  9. Ein weiterer Kommentar nach nicht enden wollenden Beleidigungsmails:

    Ich bin es leid mich immer und überall zu allem rechtfertigen zu müssen, deshalb ab heute nur noch dieser Kommentar:

    Ich habe niemand gebeten mich in den Arm zu nehmen und zu sagen: “Arme Maus, was ist dir bloß Schlimmes passiert!” Das will ich nicht und das wollte ich nie. Es ist mir auch vollkommen egal, wer sich am ersten Teil meines Buches brüskiert. Wer beim Lesen des Buches, und ich glaube, das haben die Wenigsten meiner Kritiker getan (es scheint Spaß zu machen auf jemand rum zu prügeln, der am Boden liegt) – zu dem Teil “Nachkrieg” kommt, wird sehr schnell merken, dass meine Intention, mein ganzes Bestreben nur dem gilt, aufzuzeigen, wie man in Deutschland als Veteranen behandelt wird.

    Wer mir also den ersten Teil des Buches nicht glaubt, weil mir nach 10 Jahren nicht der richtige Name des Flugplatzes eingefallen ist, was ja DE FACTO ein BEWEIS für meine Schuld ist, der kann sich seine Vorwürfe getrost weiß der Geier wohin schieben – es interessiert mich nicht. Auch die ganzen Drohmails langweilen mich mittlerweile – sag mal, habt ihr denn kein Hobby???

    Es geht ausschließlich und explizit NUR darum, aufzuzeigen, dass man in Deutschland weniger wert ist als Dreck, wenn man aus dem Einsatz zurück kehrt.

    Allein das neue Einsatzverwendungverbesserungsgesetz, das ab dem 1.1.12 gilt, ist für uns Ex-Soldaten ein Schlag ins Gesicht. Bisher war es so, dass das 2007 verabschiedete Gesetz jedem Versehrten eine Einmalzahlung in Höhe von 80.000 Euro zugebilligt hat. Zwar wurde die Frist zurück datiert und die verwundeten Kameraden hatten die Möglichkeit für 5, respektive 8 Jahre zur Bundeswehr zurück zu kehren, aber plötzlich ist in dem Gesetz von Einmalzahlung keine Rede mehr.

    Fakt ist aber, dass die Einmalzahlung, die die Regierung auf 150.000 Euro erhöhen will, wieder nur an die gehen lassen will, die ab 2002 aus dem Einsatz zurück gekehrt sind. Eine Ohrfeige für die Ehre derer, die mit der Waffe für dieses Land gekämpft und verwundet wurden.

    Also, bitte, setzt eure Energie nicht mehr in Hassmails gegen mich ein, die mich eh kalt lassen, sondern kämpft für unsere Kameraden, die bereits ab 1992 in Somalia ihr psychisches oder physisches Leben gelassen haben und die dieses Geld auch dringend erhalten sollten.

    Wendet euch an den Petitionsausschuss – zeigt denen, dass sie es mit uns nicht einfach so machen können.

    Nichts desto trotz,

    Eure Daniela

    Dort, wo ein stichhaltiger Beweis fehlt, füllt die Lücke ein wortgewaltiger Konjunktiv.

  10. Markus Bleier sagt:

    du bist zum bund gegangen.. du hast dich für diesen beruf entschieden, und du wusstest genau um die möglichen konsequenzen. man geht in einen krieg,weil man an etwas glaubt, weil man etwas verteidigt, dass es wert ist. Und du? die doch relativ üppige kohle für auslandseinsätze hast du gerne genommen, und jetzt guckst du blöd, denn für übermässig viel geld muss man vielleicht auch mal was aushalten. also: mal ganz unabhängig von den zunächst mal fundiert scheinenden zweifeln an deinen ominösen „erlebnisberichten“… selbst wenn alles stimmt: niemand hat dich gezwungen, soldatin zu werden. hör auf zu heulen. du hast dich verarschen lassen, und dafür hast du kein mitleid verdient, dummheit wird halt bestraft. du warst soldatin des kapitals, zahnrad in der illusion der verteidigung der menschenrechte durch diejenigen, die sie eigentlich zerstören. kein mensch in deutschland braucht die bundeswehr, solange sie dem imperialismus dient. bist du ins kosovo gegangen, um die armen albaner zu retten? du hättest für europa an der seite der serben kämpfen sollen, denen innerhalb von 100 jahren ihre heimat, die kulturelle wiege ihres volkes genommen wurde. schäm dich!

    • Ich glaube, du weißt nicht, dass ich selbst kroatischer Herkunft GERADE auf dem Balkan den verletzten und verwundeten Menschen Helfen wollte. Kroaten und Serben stehen sich auf dem Balkan näher als andere Balkanbewohner, das muss ich dir nicht erzählen.
      Zwar trug ich eine Pistole, jedoch nur zur Verteidigung. Wie jeder Sanitäter haben wir jedem geholfen. Egal welcher Herkunft.
      Und was dein Satz „übermäßig viel Geld“ angeht: du ahnst nicht, wie gerne ich, und sicherlich viele meiner ehemaligen Kameraden, das Geld mit Herzenslust zurückgeben würden, um nicht mehr böse zu träumen, keine Kopfschmerzen haben zu müssen, oder keine Flashbacks haben zu müssen.
      Ich wiederhole mich immer, wenn ich sage: jede Geschichte hat zwei Seiten…!

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