Respekt vor Soldaten

Veröffentlicht: 26. Oktober 2011 in Uncategorized

Obwohl ich mir sicher war zu diesem Thema nie wieder auch nur ein Wort zu verlieren, liegt mir noch eines sehr am Herzen. Ich habe viel über das Soldatentum, MEIN Soldatentum in meinem Buch geschrieben, doch es ist beschämend, wenn ich sehe und lese, was bei den Menschen für ein Bild im Kopf ist, wenn er an Soldaten denkt. Es spielt auch keine Rolle mit Argumenten zu kommen.

Die immer im Dunstkreis menschlichen Übels schwebende Phrase: „Der wusste doch worauf er sich einlässt.“, lässt keinen Raum für Diskussionen. Nach einem sehr, sehr guten Gespräch mit einer Veteranin, die ebenfalls Autorin ist – welches mir phasenweise die Augen geöffnet hat – möchte ich mich schlussendlich noch einmal zu dem Thema äußern.

 

Viele Menschen wissen nicht, wie es ist seinen Abmarschbefehl Richtung Einsatzland zu bekommen und keine Ahnung zu haben, ob man zurück kehrt. Sie wissen nicht, wie sich das anfühlt in jungen Jahren sein Testament aufsetzen zu müssen. Sich darüber Gedanken zu machen wer in der Patientenverfügung darüber entscheiden soll ob sich für einen selbst lebenserhaltende Maßnahmen lohnen. Sie können nicht wissen, wie es sich anfühlt, wenn man sich in der Nacht vor der Abreise noch einmal an das Bett der Kinder oder Nichten setzt, um ihren Anblick in sein Gehirn zu brennen, für den Fall, dass… Wie weh es tut, wenn man ihren Geruch ganz tief einatmet und sich für eine Sekunde wünscht nicht von diesen zauberhaften Wesen weg zu müssen.

Sie wissen auch nicht, wie es ist, wenn man in voller Montur am Flughafen vor seinen Lieben steht und am liebsten sofort wieder mit nach Hause fahren würde. Doch das kann man nicht…man mimt der eigenen Familie Stärke und Unantastbarkeit vor. Sie haben auch keine Ahnung, wie es ist an einem Massengrab zu stehen und den Blick nicht abwenden zu können, wobei man minütlich spürt, dass etwas in einem beginnt abzusterben. Keiner ahnt, was es für Gefühle in einem auslöst, wenn man im Schockraum vor der einem toten Kameraden steht, mit dem man Tage zuvor noch über die Heimkehr gesprochen hat.

Habt Respekt vor den Menschen, die Tag um Tag nicht nur ihr Leben für die NATO und somit auch unsere Freiheit aufs Spiel setzen. Ihr ahnt nicht, wie viele ihrer Beziehungen das ewige halbjährige „Im-Einsatz-sein-müssen“ das nicht überstehen. In meinem Kontingent kam ein junger Hauptfeldwebel nach Hause, drei Tage früher als er angekündigt hatte, um seine Freundin zu überraschen – und fand sie mit einem anderen Mann im Bett. Was glaubt ihr, hat ihn da die Auslandsauflage trösten können?!?

Schaut nicht auf die läppische Apanage, die sie dafür erhalten. Man kann mit Geld nun einmal keine Familie kaufen, die einen liebt und jederzeit zu einem steht! Und schon gar nicht lohnt sich dieses Geld, wenn man zurück kehrt, verletzt und zerbrochen, um dann von der Gesellschaft als Aussätziger behandelt zu werden!

Ich für meinen Teil, die nichts mehr mit dem Leben an der Waffe zu tun hat, ziehe meinen Hut tief vor jenen, die aus dem Einsatz zurück kehren. Und je mehr ihr sie verspottet und auf sie nieder blickt, desto mehr Zuneigung hege ich für sie.

Seid euch immer gewiss: man kann schneller durch die gesellschaftlichen Maschen fallen, als ihr „PAPP“ sagen könnt. Seid euch gewiss: es kann auch EUCH jederzeit durch was auch immer passieren. Und es sei euch vor allem gewiss: sie werden auch auf euch spucken…!!!

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Kommentare
  1. Andrea sagt:

    Ein guter Freund von mir kommt in Kürze aus dem Einsatz zurück. Was der Einsatz mit ihm gemacht haben wird, wissen wir jetzt noch nicht. Aber seine Frau und wir, seine Freunde, stehen zu ihm!
    Es ist traurig, daß unsere Soldatinnen und Soldaten so wenig Rückhalt in der Gesellschaft haben. Sie machen einen Job, den wir Zivilisten aus den unterschiedlichsten Gründen nicht machen – und sie verdienen unseren Respekt, auch wenn wir dem Militär vielleicht ablehnend gegenüber stehen.
    Dem Freund wünsche ich, daß er seinen Einsatz als sinnvoll empfindet, und daß er gesund an Körper und Seele zurück kommt.

  2. Sandra sagt:

    Liebe Frau Matijevic,

    obwohl ich selbst zu den „Zivilisten“ gehöre, setze ich noch eins drauf und behaupte, dass niemand wissen kann, worauf er sich da einlässt! Vor allem nicht junge Menschen, deren Lebenserfahrung noch wenig weitreichend ist! Ich habe größten Respekt vor unseren (Ex)Soldaten und-soldatinnen, die das Gemeinwohl über ihr Eigenes stellen und nicht selten ein Leben führen, das sämtlicher Liebe, Zuneigung, Rückhalt und Gesundsein entbehrt!!!

  3. ar.werner@tobas.de sagt:

    Ich bin auf diesen Eintrag gestoßen, da ich vor kurzer Zeit eine Diskussion mit meinem besten Freund hatte, welcher Offizier bei der Bundeswehr ist , in der ich ihm versuchte zu erklären, warum ich keinen Respekt vor dem heutigen Beruf Soldat habe. Was nie im Raum stand, ist die Tatsache, dass ich ihn Respektiere, wie auch alle anderen Menschen welchen diesen Beruf ausüben. Menschen verdienen Respekt.
    Das Argument „Ihr habt es euch doch ausgesucht“, ist von meiner Seite aus auch gefallen. Aber leider konnte ich nicht ganz klarstellen, was ich damit meine. Dieser Satz ist mir entglitten, als es um die Entscheidung ging „Ich oder ein anderer“, also töten oder getötet werden. In diese Situation kommt man, weil man Soldat ist. Das Gegenüber ist nicht der Angreifer, der Soldat ist der Angreifer. UND da liegt mein Problem. Mein bester Freund wurde Soldat, weil er stolz ist. Stolz auf unser Land und unsere Demokratie. Er möchte dies verteidigen. Das ist ein guter Grund! Keine Frage. Jemand der aus diesem Grund sein Leben riskiert, verdient Respekt.
    Jetzt kommt das ABER:aber diese Dinge verteidigt er leider nicht. Der Grund, warum deutsche Soldaten im Krieg sind, ist nicht Verteidigung.
    Das Thema ist kompliziert und man darf nicht in irgendwelche Verschwörungstheorien verfallen.
    Ich möche nur gerne wissen, warum der Irak und Afghanistan die Ehre haben, die Hilfe unserer Soldaten zu bekommen, andere Länder, welche um Hilfe schreien jedoch nicht.

    Die Menschen, dessen Motivation der Schutz unserer Gesellschaft und Werte ist, sind leider nichts als Marionetten eines System, welches Profit über Leben setzt.
    Die alliierten Soldaten des WW2 verdienen Respekt, weil sie die Welt von dem Terror der Nazis befreit haben, was aber kein Akt der Güte war, sondern REINE Selbstverteidigung.
    Heutige Soldaten verteidigen nicht mehr, sie übernehmen und „bauen auf“, bzw bewachen den Aufbau (der Aufbau geschiet durch westliche Firmen).
    Ich bin gespannt, wie sich die Revolutionen im arabischen Raum ohne massives Einwirken unbeteiligter Nationen entwickeln. Ich hoffe es erigbt sich die Erkenntnis, dass das Volk welches sich gegen Unrecht verteidigt eine bessere Revolution (mit einem besseren Ergebniss) herbeiführen kann.

    Sollte Deutschland einem Angriff ausgetzt sein, werden die Soldaten nicht die Einzigen sein, welche uns verteidigen. Der Krieg bringt Soldaten hervor, Menschen werden zu Soldaten im Krieg. Viele viele Amerikaner haben sich damals nicht lange vorher überlegt, dass sie irgendwann mal ihr Land verteidigen wollen und sind Berufssoldaten geworden. Sie wurden eingezogen und meldeten sich freiwillig, als sie gebraucht wurden.

    Mein bester Freund könnte anders mehr bewirken und ich hoffe, es bleibt bei 12 Jahren Abendteuer.

    P.s.: Leider habe ich viele Soldaten kennengelernt, welche sich freuen mal ordentlich draufzuhauen. Ich hoffe es bleibt beim feiern und, dass es nur ein Ausdruck von unreife war.
    Es kann nämlich leider fast jeder Soldat werden….

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